Wmdedgt Februar 2016

Wufftata

Am 5. eines jeden Monats will Frau Brüllen wissen, was wir so den ganzen Tag machen.
Hier bitte.

Um halb acht stehe ich auf und frühstücke mit Herr croco.
Er geht arbeiten und ich sitze auf dem Fahrrad und fahre auf der Stelle mit mir um die Wette. Damit es nicht langweilig wird, guck ich dabei Herrn Böhmermann vom ipad. Das kalte Duschen anschließend genieße ich sehr, es wird ja warm nach ein paar Minuten. Dann kommt das Rapskneten für Hände und Füße. Die Nerven! Ja, sie benehmen sich langsam wieder.
Ich mach mich nun hübsch und fahre in die nächste Stadt. Es findet sich ein Parkplatz vor dem Krankenhaus und sogar ein Stuhl im Wartezimmer. Um mich herum sitzen Schwangere in verschiedenen Reifegraden. Und eine ältere Dame mit ihrer Tochter. Diese beginnt eine Umfrage unter den Anwesenden, wer denn nun wann Termin hatte. Sie zetert dann , dass jemand vor ihrer Mutter reingerufen wurde obwohl sie einen Termin hätten. Früher hätte ich gesagt: Frau, hör her. Das ist hier auch die Notfallpraxis, Wehen gehen vor und Termine warten. Sei ruhig, Frau.
Heute übe ich mich im Ignorieren, das kürzt ab.
Die nächste Schwangere wird reingerufen, von einer Nonne. Ach nö, das ist ja der Frauenarzt. Wir haben ja Karneval im Rheinland. Wufftata. Erstaunlich, dass überhaupt jemand da ist, dass sich an solchen Tagen sogar das Rheinische Baby raustraut. Aber nun: am Rosenmontag bin ich geboooohoooren…
Die genervte Tochter packt alle Papiere ein und verschwindet Richtung Verwaltung,  kurz drauf wird ihre erleichterte Mutter reingerufen. Sie wird sich wundern, warum sie so etwas drachenhaftes geboren hat.
Die nächste bin ich, bei mir ist alles in Ordnung.
Erleichtert fahre ich heim. Dort trifft gleichzeitig Herr croco ein und bringt Mittagessen mit.
Er hat sich den Nachmittag frei gehalten, doch aus dem Plan wird nichts.
Das Möbelhaus ruft an, ob sie denn die bestellte Couch bringen könnten. Im Rheinland, am Karnevalsfreitag? Wufftata?
Nun gut, wir räumen in einem Affenzacken das Wohnzimmer auf und rasen zur Bank. Die Firma will Bargeld. Nun, Freitag Nachmittag im Rheinland ne offenen Bank zu finden ist nicht einfach. Jetzt aber wirklich Wufftata. Die erste hat einfach zu. Die zweite ist hochdekoriert und die Angestellten haben eine bankräuberähnliches Outfit. Vertrauenserweckend ist was anderes. Aber nun: Wufftata. Mit dem Geld geht es wieder heim. Und schon sind die Herren mit der Couch da. Es wird wieder geschoben und umgeräumt. Alles passt prima und ist sehr hübsch.
Aber wie kommt es, dass sich am Karnevalsfreitag überhaupt Packer finden?
Die netten Herren haben damit nichts zu tun, nix mit ächte kölsche Jong. Die Muskelpakete kommen vom Balkan und dem Kaukasus.
So, es geht weiter. Wir werfen uns ins Auto, fahren wieder in die Stadt um noch schnell Praktikanten zu verabschieden und andere Dinge zu erledigen. Wieder zuhause ziehen wir uns schnell um und machen uns hübsch. Sie wissen ja: Wufftata.
Wir holen einen Freund ab und fahren durch Wälder und Felder, bis wir am Ziel sind. Es gibt hier viele offizielle Karnevalsfeiern mit Gardemädchen und Elferrat. Aber sowas erwartet uns nicht. Eine alte Schule und viele gut aufgelegt Leute stehen bereit. Die Einladungen gingen per Mail raus und jeder der wollte, konnte auftreten.
Man kennt sich immer von irgendwo her, wenn man denn feststellt, wer tatsächlich im Schweinekostüm steckt. Die kleine Bühne und ein paar Requisiten reichen völlig, um einen ausgelassen und vergnügten Abend zu erleben.
Und jetzt ist es tatsächlich Wufftata und Allaf. Den anschließenden Tanz lassen wir aus und fahren heim. Es gibt ja eine neue Couch. Gute Nacht!

 

Wenn das Trommelchen geht, ja, dann erwacht der Jeck….

 

 

Twitterlieblinge im Januar

Der Januar verlief, so könnte man es sagen, insgesamt aufstrebend. Der Hauptbaustein des Alltags war lange Zeit die Erschöpfung. Ihr kleiner Bruder, die Schlaflosigkeit, nahm sich etwas zurück. Die kleinen Freuden waren rar gesäht, leuchteten trotzdem die Dunkelheit aus. Nun fãngt eine neue Zeit an, voller Hoffnung und Lebenslust.

So gibt es auch wieder Twitterlieblinge aus dem Januar. Das vorherrschende Thema war die Flüchtlingsdiskussion. Was wurde da alles behauptet und weiter geleitet!
Im realen Leben war das auch so. Die Zeitung dementierte eifrig Gerücht um Gerücht, indem sie jedem einzelnen nachging.
Mühevoll, aber die einzige Möglichkeit, der Vernunft den Weg zu bahnen. Erschreckt hat mich, wie dünn der Lack unseres zivilisierten Verhaltens doch ist.

So, aber jetzt Twitterlieblinge.
Anne Schüßler sammelt sie, wie immer eigentlich.
Danke, Anne.

Elf

Wortschnittchen hat mich beworfen, mit einem Stöckchen! Eine halbe Ewigkeit habe ich keines mehr bekommen. Ich freu mich sehr und lege jetzt los.

1 Was hat dich zum Bloggen und/oder Twittern gebracht?

Twittern weiß ich nicht mehr, aber Bloggen schon. Es war im Januar 2005 und ich stōberte nach einer Möglichkeit, ohne Aufwand HTML-Codes für den Unterricht einzusetzen. Es sollte keine Homepage sein, es sollte nichts kosten und jeder Schüler sollte seinen Beitrag getrennt bearbeiten können. So probierte ich myblog aus, mit ganz doofen Beiträgen. Die löschte ich später wieder und erzählte einfach aus meinem Leben.

2 Wie und warum hat deine erste große Liebe geendet?

Ach, das ist eine sehr traurige Geschichte. Ich mag sie jetzt nicht erzählen. Nur ein Satz : sie war einseitig und er lebt nicht mehr.

3 Hand aufs Herz: Hast du schon einmal etwas geklaut?

Nein, nie. Es war auch nicht nötig. Ich war auch nie hungrig und arm. Und Spaßklauen liegt mir nicht.

4 In welcher Situation hast du dich einmal körperlich schutzlos gefühlt? Und wie hat sich die Situation aufgelöst?

Ja, bei zwei sehr schweren Unfällen, die ich nur überlebt habe, weil andere schnell und selbstlos geholfen haben.

5 Hast du schon einmal eine Diät gemacht?

Eine mit weniger Essen, Bewegung und Almased? Ja, immer wieder.
Solche mit Kohlehydrate weglassen, nur Zitronenbonbons essen oder nach Sternzeichen und Blutgruppen? Nie.
Aber das nur, weil ich immer wieder vergesse, was ich nun nicht essen darf.
Bei mir taugt nichts gut, was man sich merken muss.

6 Deine Lieblingskünstlerin/dein Lieblingskünstler?

Das wechselt je nach Konzert oder Ausstellung, die ich besucht habe. Als klassischen Komponisten liebe ich Brahms. Als Bildhauer halten sich tapfer Auguste Rodin und Max Ernst.Von David Hockneys Landschaften werde ich trunken.
Björk mag ich, und Zaz, Frank Sinatra und Konstantin Wecker.
Also ein ziemliches Durcheinander, mit Stil und ohne Ziel.

7 Was war dein schönstes Ferienerlebnis?

Sind die Schulferien gemeint? Wir sind nur ein paar Mal in Familienurlaub gefahren. Mein Vater war beruflich viel im Ausland und hatte dann nie Lust wegzufahren. Und wenn, stand alles unter seinem Regiment.
So verbrachten meine Schwester und ich die Ferien meist mit Radfahren und Schwimmbadbesuchen. Das war sehr schön.
Mein schönstes Erlebnis aber war als Betreuerin bei einer Ferienfreizeit der Kirchengemeinde. Wir haben in einer Berghütte geschlafen. Es gab ein Matratzenlager und wir hatten nur kaltes Wasser zum waschen. Die Einfachheit hat mir sehr große Freude bereitet. Und die Kinder. Vorher wusste ich nicht, dass ich mich so gut mit Kindern verstehe.

8 Dein Lieblingskleidungsstück?

Ich liebe Samt. Ich habe zwei Samthosen und zwei Samtkleider, die meine absoluten Lieblinge sind. Und ich habe zwei Hosen mit Punkten.
In keines von allen passe ich im Moment hinein. Und so werfe ich mich am März auf die Antwort zur Frage 5. Oder auch nicht.

9 Dein größter Fehlkauf?

So etwas habe ich nicht, ich habe nur Schuhe, die ich selten anziehe ;)

10 Was würdest du gern in einem Nachruf auf dich lesen?

Tja, darüber habe ich viel nachgedacht in letzter Zeit.
Durch sie ist die Welt ein bißchen wärmer/besser/bunter geworden?
Klingt doch ziemlich anmaßend.
Aber eigentlich kann es mir Wurschd sein. Ich lese es ja nicht mehr.

11 Deine Einstellung zur Jagd?

Oh, eine sehr ambivanlente.
Als Biologin bin ich dafür. Wir haben in Mitteleuropa keine Raubtiere mehr, die den Bestand an Rehwild regulieren können. Der Verbiß an Bäumen wäre existentiell für den Wald. Da der Wald ein Wirtschaftsfaktor ist, hier ganz besonders, ist die Jagd nötig.
Als Mensch finde ich das Jägergetue abstoßend, das Hallali und die aneinander gereihten toten Hasen fürchterlich überheblich.
Und die Angebereien mit der Jagd völlig unnötig. Die Schüsse Sonntag Morgen um fünf eben völlig überflüssig.
Als Esserin liebe ich Rehbraten und Wildschweingulasch mit Knödel. Und einer muss halt alles für mich erledigen, vorher.

Meine elf Fragen sollen bitte beantwortet werden von
Frau Indica, weil sie die erste Bloggerein war vor elf Jahren, die ich gelesen habe und mit der ich einen wunderbaren Abend in Kreuzberg verbracht habe, mit Barbesuch.
Frau Tikerscherk, weil ich ihren Blick auf die Dinge mag, und ihre Sprache.
Und Frau Read On, vor allem weil ich mōchte, dass Sie ihre Geschichten aus Neu Delhi und Dublin lesen. Und sie mögen.
Das Stöckchen liegt frei rum, es kann also aufgenommen werden, von jedem, der möchte, auch in den Kommentaren.

Nun die elf Fragen:

1 Eine Abenteuerreise wartet auf Sie. Was wäre für Sie das absolute Abenteuer?

2 Sie dürften bestimmen, wer eine Spende von 10000 € bekommt. Wer wäre das und warum?

3 Für einen Tag dürften Sie in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen. Von wem wüssten sie gerne, wie sich sein Leben anfühlt?

4 Und welches Tier wären Sie gerne, wenn das möglich wäre?

5 Hat schon mal ein Traum Ihr Leben beeinflusst?

6 Lieblingsbücher liest man gerne mehrfach. Welches haben Sie am häufigsten gelesen?

7 Wenn Sie in ein anderes Land fliehen müssten, dessen Sprache sie nicht sprächen und wo Ihre Berufsausbildung nicht anerkannt würde, mit welchen Fähigkeiten könnte sie sich den Lebensunterhalt verdienen?

8 Verraten Sie uns ihr Lieblingskuchenrezept?

9 Unter Ihrem Balkon soll jemand ein Ständchen singen. Sie dürfen sich Sänger und Lied wünschen. Also, wer und was wünschen Sie sich?

10 Auf welche fünf Lebensmittel können Sie nicht verzichten?

11 Die Elf ist die Zahl des Narren. Wenn Sie sich denn verkleiden würden, als was würden Sie zum Karneval gehen?