Wurmiges

Beruflich bin ich Erklärbär, Beschäftigungsbär und Bildungsbär, meist eben ein Irgendwasbär.
Im Rahmen dieser Tätigkeit bringe ich das Tier- und Pflanzenreich an das Kind. Was zuerst leicht erscheint, dann aber schnell hakt, weil sich das Normkind von dreizehn Jahren kaum für Pilz und Moos, Farn und Wurm erwärmen kann. Außer natürlich es gibt etwas Spektakuläres zu berichten, am besten ekelig, grausam oder monsterig, dann findet es seinen Weg in die jugendlichen Gehirnwindungen. Hässliche Pilze mit monströsen Namen und absolut grauenhaften Vergiftungserscheinungen sind der Renner. Mit der Herstellung von Hexensalben könnte ich mein Gehalt und meinen Ruf aufbessern.
Nun sind wir bei den Ringelwürmern angelangt, nett segmentiert mit eleganter Fortbewegung durch wechselseitiges Zusammenziehen von Längsmuskeln und Ringmuskeln. Nun, das nimmt man müde lächelnd hin. Dass er aber Zwitter ist, weckt die ganze Bande und führt zu wahren Begeisterungsstürmen. Zwitter! Nein, sowas. Als Biologielehrerin ist man bezüglich Sexualität aller Ausprägung ja reichlich abgebrüht und es ist einem nichts peinlich. Und trotzdem freut man sich an der Begeisterung, die die Fortpflanzung eines Würmchens hervorruft.
Nun, möchten Sie auch ein bißchen Spaß haben? Dann googeln sie doch mal Wurmfarm.
Es gibt richtige Starterpakete und auf youtube berichten Menschen ganz ausführlich, was sie nun den kleinen Lebewesen zu fressen geben. Einer nimmt ihnen sogar die Pflanzenreste weg und füttert sie mit Kaffeepulver. Was sie natürlich munter macht, ein wahres Coffeinballett wird da vorgeführt.
Dass dann, wenn mal einer tot ist, alle sterben, verwundert ihn. Naja, bei der einseitigen Ernährung.
Der andere hatte die Kisten zuerst in der Wohnung, das sich aber dann als nicht so praktisch erwies.
Hier zum Anfüttern zwei Vorschläge. Sie erzählen mir dann, ob sie auch schon eine haben, oder eine planen? Ja? Bin gespannt. Meine Zöglinge werden jedenfalls ihren Spass daran haben

Oh, den Coffeinjunkie hatte ich glatt vergesse. Hier, bitte, der Nachtrag:

Twitterlieblinge im Januar

Eine lange Weile dachte ich, dass mich nichts mehr aufregen kann. Dann kam der Brexit, dessen Zustandekommen mich sehr aufgebracht hat. Den Herrn Trump habe ich lange mit spöttischer Gelassenheit betrachtet. Das ändert sich gerade. So gibt es leider ziemlich viele Trumptweets, die mir gefallen haben. Aber da müssen Sie durch. Und es werden immer mehr Tweets, die ich mag. Woran das wohl liegen mag?
Wer noch mehr Tweets schauen will, schaut bei Anne nach, sie sammelt alle Lieblingstweets.

Wochenende, ein bißchen faul

Die drei Arztkontakte der letzen Woche haben mich so aufgewühlt, dass ich in der Nacht zu Samstag kaum geschlafen habe. In der Morgenzeitung steht dann, dass die Nachbarin ein paar Häuser weiter im Dorf verstorben ist und auch schon beerdigt. Dass sie schwer krank war, hat man ihr angesehen und sie hat ab und an erzählt, wie mühsam und schmerzhaft alles sei. Ich weiß, sagte ich, ich weiß. Seit zwei Wochen nun sind die Läden runter am Haus und man hätte es wissen können. Aber dass es keine Beerdigung gibt, bei der man Abschied nehmen kann, das kenne ich aus dem Dorf nicht.

Der Samstagseinkauf findet nun in Begleitung statt, was der Angelegenheit eine unnötige Hektik beschert. Herr croco, sehr dynamisch und effizient, schiebt den Wagen nach optimierter Route durch den Markt. Es gelingt ihm recht schnell, mich abzuhängen und so suche ich, vollbepackt mit Jogurt, Mehl und Eiern, die Gänge ab nach dem Familienwagen. Seiner Meinung nach genügt es, genug Lebenwurst, Gummibärchen und Salzstangen im Haus zu haben um ein Überleben zu sichern. Alles andere sei doch von geringer Bedeutung.

Gegen den beim Einkaufen erworbenen Hunger gibt es Pilzrisotto, Steak und einen Salat mit Fenchel und Orangen. Seit einer Weile habe ich ein Rezept für saftigen Zitronenkuchen. Genau so heißt er. Die Teigmenge erscheint mir etwas gering, aber Eier und Backpulver werden es schon richten. Nun, es soll auch Zitronensaft in den Teig. Ob das nicht zu sauer ist und Eier und Backpulver bremsen? Nun, Anleitungen sind zu befolgen. Das was dann aus dem Ofen kommt, ist reichlich flach. Ich bohre noch Löcher rein, um Zitronensaft mit Zucker zu versenken. Das ist also mit saftig gemeint. Kurz und gut, der Kuchen ist hübsch, aber um einiges breiter als hoch. Man könnte ihm einen Deckel verpassen, und das mache ich auch. Quark mit Gelatine anrühren und Sahne drunter, eine Dose Aprikosen klein machen und Pistazien drüber, fertig ist das Werk. Nun, Besuch war nicht angesagt, ich werde einfrieren müssen.

Es wird noch gewaschen und gebügelt und es gibt etwas Brot und Käse zu Abend. Um zehn klingelt es dann überraschend. Freunde, Rückkehrer von einer Familienfeier aus dem Süden, bringen Brezeln und brauchen noch etwas Aussprache und Alkohol. Torte und Pfälzer Rosé passen dann doch vorzüglich zusammen. Der Zitronenboden wird auf das heftigeste gelobt, der Quarkdeckel auch. Nein, der Kuchen hat keinen Namen.

Der Sonntag dann ist in der Summe ereignislos. Käsespätzle und Torte lähmen so, dass die Couch kaum verlassen wird. Die Liste der Neujahrstelefonate wird abgearbeitet, bevor der Februar beginnt. Vier Mal eine Stunde das Leben der anderen, mit all den Kämpfen und Freuden. Vorbereitungen für den montäglichen Unterricht folgen. Es wird gelesen und auf der Festplatte ruht noch „Beast of the Southern Wild“, ein ganz bezaubernder Film mit einem unglaublich intensiv spielenden kleinen Mädchen. Ein schöner Abschluss, das war’s. Lazy sunday.