Feng Shui Bügeln

Zu den Arbeiten, die mir Freude machen, gehören das Umtopfen von Pflanzen, Kochen, Backen, das Entwerfen von Handzetteln und das Putzen von Spiegeln. Spass machen  mir auch das Vorbereiten von Präsentationen , das Sockenstopfen und das Schuheputzen.

Bügeln gehört nicht dazu. Da sammle ich an. Woran liegt das ? Wie kann ich das ändern? Huch. Diese Fragen habe ich mir noch nie gestellt. Es ist die Kombination zwischen Monotonie und Konzentration, die lästig ist. Sobald ich mir Spass verschaffen will durch Hörspiele oder Bildungsradio, läuft alles schief. Ich höre oben fasziniert zu und auf halber Höhe wirft die Bluse Falten. Es gibt Frauen und Männer, die sogar den Fernseher anhaben. Wäre bei mir nur bei Jeans möglich. Und ich würde mir die Finger verbrennen, den Stoff verkohlen oder fehlende Knöpfe übersehen.

Am Arbeitsplatz kann es auch nicht liegen. Schickes französisches Dampfbügeleisen, aluminiumbeschichtete Bügeldecke mit Schaustoffpolster, extrabreites Bügelbrett in Sonderhöhe sollten ein angenehmes Umfeld schaffen. Ein Extraraum mit Waschmaschine, Trockner und großem Arbeitstisch, alles da. Und doch sammle ich Ungebügeltes.

Was  ich noch nicht beabeitet habe, ist der esoterische Bereich. Erdstrahlen, Funkwellen, Wasseradern. Vielleicht laufen alle unter meinem Bügelbrett zusammen. Vermutlich können die Geister ohne Umschweife meinen Bügelraum entern, dort rumlauern  und mir die Stimmung vermiesen. Ich könnte Weihwasser versprühen, die Schwelle erhöhen, dass die Geister stolpern, oder ein paar Salzlampen aufstellen.

Nein, ein Umsteigen auf Kapuzenshirt und Jogginghose kommt nicht in Frage. Die bügle ich nämlich auch.

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7 Gedanken zu “Feng Shui Bügeln

  1. Oder doch Hormonsache: Meine Mutter hasste Bügeln mit Leidenschaft, wo sie sonst alle Haushaltsdinge gern bis halt aus Pflichtgefühl erledigte. Seit ein paar Jahren, so gestand sie mir kürzlich, habe sich das geändert: Sie empfinde Befriedigung, wenn nicht sogar Vergnügen an Material, Techniken und Sorgfalt. Ich sehe eine Korrelation mit dem Ende des Klimakteriums.

    • Hormonbügeln?
      Diese Möglichkeit hatte ich noch außer Acht gelassen. Meine Mutter taugt nicht asl Studienobjekt, sie hat immer gerne Haushalt gemacht, einschließlich Bügeln. Sie bügelt sogar Waschlappen.

  2. Bügeln?!
    Gibts hier nicht. Nach dem Waschen wird alles in Form geschüttelt, gezogen und gestrichen – fertig.
    Natürlich besitze ich trotzdem eine High-Tech-Dampfmaschine. Aber nur fürs Nähen, da muss ich bügeln – und da machts dann auch Spass und Sinn, weil sonst das Ergebnis nicht gut wird.

    Aber wenn Sie das freiwillig machen und selbst Jogginghosen bügeln, dann ist das vermutlich mehr unter einem gewissen Selbstkasteiungsaspekt zu betrachten. Haben Sie in letzter Zeit irgendwelche zweifelhaften Wetten mit dem Schicksal (e.g. „Ich bügel jetzt noch drei Blusen und dafür bekomme ich nachher nen Parkplatz in der Innenstadt“) abgeschlossen?

    • Kann sein, dass es mir als Technikjunkie noch zu wenige Inovation ist. Vermutlich brauche ich dringend eine Dampfmaschine.
      So Schicksalsbügeln meinen Sie?
      Wie mit dem Aufessen bei kleinen Kinder? Teller leer. Die Sonne scheint.
      Zählen tu ich aber schon, noch drei Hemden und dann ist Schicht im Schacht.
      Ich stoppe auch die Bügelzeiten und bilde Mittelwerte.
      Aber das mache ich auch beim Korrigieren. Das hasse ich mit ähnlicher Inbrunst.
      Ich bügle eigentlich nur, wenn sich die Klausuren auf dem Schreibtisch stapeln.
      Nur dann ist Bügeln die geringere Last.

      • Technikjunkie und Zeiten nehmen ist vielleicht der Ansatz, den Sie suchen. Suchen Sie sich eine Bügel-App, die Zeiten nimmt, die Fortschritte graphisch aufbereitet, Durchschnittswerte macht (‚Dienstags bei Vollmond geht’s immer besonders schnell‘) und Ihnen Awards verspricht (’nur 10 Hemden in unter 10 Minuten buegeln fuer den Speed-Award‘).
        Oder schreiben sie sich sowas selber. Dabei kann man prima Zeit rumbringen, die man sonst vor dem Buegelbrett stehen muesste…

  3. Ein äußerst gefährlicher Ratschlag, zum Zeitvertreib ein Bügelprogramm zu entwickeln. Genau so ticke ich nämlich. Das würde der Banalität des Bügelns entschieden entgegentreten.
    Was hätte ich bloß in der Steinzeit gemacht? Ich hätte mich zu Tode gelangweilt und die Höhlenwände mit Männchen vollgemalt.

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