Weg und wo

    Langleser kenne das. Ab und an verreise ich und bringe Bilder und ein paar Geschichten mit. Bevor ich mich nun über alles Mögliche auslassen, dürfen Sie ein wenig raten. Wo war ich denn nun? Damit es einfacher wird: das erste und das letzte Bild sind am Anfang der Strecke, das mittlere am Ende. Es ist nicht so schwer dieses Mal. Nur Mut.

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Mütter und Schilder

Mütter wünschen sich, dass ihre Töchter anders leben als sie. Besser. Leichter. Meine Mutter war immer eine leidenschaftliche Hausfrau, bis heute. Sie hatte eine gute Ausbildung, für damalige Verhältnisse sogar eine sehr gute, und sie ging arbeiten, bis sie 30 Jahre alt war.

Sie verdiente bis dahin ihr eigenes Geld und musste nicht fragen, wofür sie es ausgab. Da sie aber mit der ganzen Großfamilie auf einem Hof lebte, musste sie wieder viel abgeben. Sie war diejenige, die in die Kreisstadt fuhr zur Arbeit. Und diejenige, die Bargeld brachte. Und in den Augen aller anderen auch diejenige, die eigentlich nichts tat, nämlich auf dem Hof.

Verzwickt. Als sie meinen Vater traf, war recht schnell klar, dass sie heiraten würden. Er verdiente viel weniger als sie, aber sie wollten Kinder. Also blieb sie zuhause und er ging arbeiten. Die Verwandtschaft war sehr traurig. Das Bargeld fehlte.

Und sie liebte die Hausarbeit. Sie kochte und backte voller Leidenschaft. Sie nähte selbst. Zuvor im alten Beruf ließ sie nähen, leitete nur an. Jetzt hatte sie Freude daran, ihr Mädels auszustaffieren. Der Haushalt war wohlorganisiert. Sie wuppte Umzüge, gesellschaftliche Einladungen und war fröhlich bei allem.

Uns aber machte sie klar, dass das kein Weg sei. Höre nie auf zu arbeiten, sagte sie. Verdiene immer so viel, dass du nie nach Geld fragen musst. Und so viel, dass du alle Arbeiten, die du nicht magst, von anderen ausführen lassen kannst.

Hilfe im Haushalt durch uns wollte sie nie. Lerne was, mach Hausaufgaben, da hast du mehr von. Wenn du kochen lernen willst, kauf dir ein Buch und lies Zdas. Studiere, suche dir eine gute Stelle und höre nie auf zu arbeiten.

An all das musste ich denken als ich diesen Bericht hier hier las. Mütter sind manchmal wie ein Strassenschild, auf dem Paris steht. Noch soundso viele Kilometer bis zur großen Stadt. Sie waren selbst nie dort, aber sie weisen den Weg dahin.

PS: Die Kaltmamsell hat sich mit diesem Thema beschäftigt und den Artikel verlinkt. So kommen gerade ganz viele Leute hier vorbei. Herzlich Willkommen.

Engel, Geister und Jeannies

Leider kann ich nicht bloggen, ich muss die Zauberfrau angucken.
Ein bezauberndes Wesen, das in einer Flasche wohnt, wird befreit und folgt fortan ihrem Meister. Der Traum eines jeden Mannes ,das glaub man zuerst. Aber dieser Mann ist ein moderner Mann. Er ist ein Astronaut. Und es ist ihm peinlich, Befehle zu erteilen. So interpretiert das Flaschengeistchen so allerhand in die Aussagen ihres Meisters hinein.
Als Kind habe ich sie verehrt. Ich mochte ihre rosa Pumphose und ihre stete Zuversicht. Lange habe ich geübt, so zu sein wie sie. Ich kann es heute noch: Arme verschränken, nicken, blinzeln. Und schon passiert was, ein Wunsch geht in Erfüllung oder eine Katastrophe trifft ein. Meist beides.
Erfolg hatte ich nie, was ich aber auf mich zurückführte. Ich hatte eben den Dreh noch nicht raus. So blinzelte ich, was das Zeug hielt ohne dass die Obstschale schwebte. Ich wollte immer, dass Dinge fliegen. Und ich habe lange geglaubt, dass sie es tun, wenn ich gerade nicht hinschaue. Ich versuchte den Überraschungsangriff, blitzschnelles Umdrehen war eine Kunst, doch alles war wie immer.
Auch die Familie, die meiner Meinung nach in meiner Puppenstube wohnte, bekam ich nie zu Gesicht. Sie waren winzig und passten genau in meine Puppenbetten. Sie aßen in der Puppenküche und saßen auf der Puppencouch. Doch sobald ich kam, waren sie verschwunden.
So wie mein Schutzengel.
Er stand an meinem Bett, begleitete mich durch den Tag und passte eben auf, dass ich nicht von der Treppe fiel.
Das war seine Aufgabe. Meine Aufgabe war, aufzupassen, dass er sich nicht die Flügel klemmte. So ließ ich ihn immer vor mir durch die Tür gehen und schloß sie auch erst, wenn ich sicher war, dass er durchgegeangen war. Bei Nacht war es schon schwieriger. Es stand ja wie ein Gardesoldat am Fußende meines Bettes und wachten über meinen Schlaf. Er tat mir leid und so machte ich Platz im Bett. Ich deckte ihn zu und und beruhigte ihn: er könnte ruhig schlafen, mir passiere schon nichts. Später hatte ich dann ein Bild gesehen, auf dem das Kind klein und der Schutzengel riesengroß war. Der hatte ja nie im Leben Platz in meinem Bett! So zog ich um.
Er bekam das Bett und ich das Kopfkissen. Auf dem lag ich nun bei Nacht, vor dem Bett, und schlief da. Kalt war es, aber der Schutzengel konnte wenigstens ausruhen. Früh morgens tauschten wir. Einmal wurde ich nicht rechtzeitig wach und meine Mutter entdeckte mich. Die Geschichte flog auf. Der Engel kam mit einer fadenscheinigen Begründung wieder an seinen angestammten Platz und mein Schlafplatz wurde kontrolliert.
Er war, glaube ich, nie beleidigt deswegen. Aber ganz konzentriert war er nie.
Naja, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, habe keine Zeit zu bloggen, muss Jeannie gucken.

Hier die erste Folge
Jeannie
http://www.myvideo.de/tv#011580_8149397