Die Welt der Amelie

Schon ihre Kinder sind winzig. Schwarze Locken, Kulleraugen, wunderschön und doch zerbrechlich sehen sie aus. Ihr Schuhe sind fein und haben Schleifchen. Die Röcke sind schmal, die Hände sind schmal, der Gang elegant, unbeschreiblich elegant. Ein glänzender Armreif, ein bißchen Wimperntusche, ein Blick aus dem Augenwinkel, das ist ihre Attraktivität. Und sie lächeln einfach, ohne Anlass, so scheint es. Sie ruhen in sich, sie sind schnell ohne hektisch zu werden. Sie reden ohne laut zu sein. Die Worte perlen und hüpfen aus ihren Lippenstiftmündern. Mündchen sind es.

So als normalstämmige Germanin komme ich mir vor, als ob ich  in die Zwergenwelt gefallen wäre. Mit meinen einsfünfundziebzig überschaue ich problemlos die Menschenmenge in der Metro. Alle kleiner als ich. Ich kann auf ihre Scheitel gucken.

Sie essen auch nicht viel, immer nur ein Gäbelchen von irgendwas. Ihre Mode passt mr nicht. Ihre Kleidergröße wachsen nur in die Breite, nie in die Länge. Sie packen ihre Kindelein in winzige Mäntelchen und setzten ihnen winzige Hütchen auf.  Und sie haben viele, drei oder vier laufen hinter ihnen her, ohne Aufstand, ohne Geschrei. Sind brav ohne Aufforderung.

Scheinbar fällt ihnen alls leicht, sie meistern es jedenfalls mit Eleganz, Gelassenheit und einen Lächeln.

Sie sehen, ich bin begeistert, angefixt von den Frauen in Paris. Sagen Sie mir bitte, dass ich Recht habe, dass es tatsächlich solche Zauberwesen gibt. Und dass ich als Germanentrampel einpacken kann, zu laut, zu groß, zu raumerfüllend. Nach einer Woche Paris möchte ich einfach schrumpfen, klein und zart und zerbrechlich werden. Verzwergen wenn möglich. Wird wohl nichts mehr werden in diesem Leben.

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6 Gedanken zu “Die Welt der Amelie

  1. Oh, eine Welt im Diminutiv.

    Da es mir in meinem Umfeld auch hier häufig – und im verzwergten Ostbrandenburg noch häufiger – so ergeht, empfehle ich eine Reise nach New York. Da stimmen bei mir die Dimensionen wieder und ich bin inmitten vieler afroamerikanischstämmiger Frauen ganz normal oder manchmal geradezu filigran. Das war vielleicht ein schönes Gefühl.

    Aber Paris ist trotzdem schön! Den Paris-Effekt kenne ich aus Madrid.

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