Essen, früher

Viele Erzählungen von Eltern und Großeltern haben mit Essen zu tun, und mit Mangel und Hunger.
Der Großvater war als Pferdeknecht nach Belgien abgeordnet, wo er den ersten Weltkrieg in den flandrischen Gräben verbrachte. Außer einem zerschossenen Arm hat er die Erkenntnis mitgebracht, dass man durchaus die heißgeliebten Pferde essen kann, und dass sie ziemlich süß schmeckten.
Eingeheiratet auf den Hof der Großmutter blieb die Liebe zu den Tieren, zwei gab es immer. Gegessen wurden sie nie mehr. Auch wenn sie ihm durchgegangen sind, und den Heuwagen über den schon verletzten Arm zogen. Auch wenn sie dem Knecht ein großes Stück aus der Brust gebissen hatten.
Die Lehrersfamilie hatte nichts zu essen, das Geld war nichts wert, und man konnte nichts kaufen. Wenn die Bauern, die Kinder beim Lehrer hatten, nicht Brot gebracht hätten, oder Rauchfleisch und Obst und Gemüse aus dem Garten, wäre man verhungert. Zurückgeben konnte man dann den Honig. Oder die Orgel spielen im kleinen Bodenseedorf.

Von der Familie des Maskenschnitzers waren zwei Söhne in russischen Lagern fast verhungert. Sie haben Sägespäne gegessen und Leder gekocht. Der eine kam nicht wieder, der andere schon. Zu Fuß aus Russland. Keiner hatten ihn erkannt, als er zur Türe herein kam, so mager war er.
Doch man hatte Butter, ein Pfund Butter, mitten in der Stadt, gehamstert gegen das Silberbesteck getauscht. Er durfte nicht gleich essen, erst mit Suppe anfangen. Er hatte Hungerödeme am Körper, aufgebrochene Stellen. Mit der Griebensuppe fing sein Leben wieder an.
Die Nachbarsmädchen hatten nichts zu tauschen. Eines Morgens lagen sie tot in der Wohnung, verhungert.

Essen war immer wichtig. Es sollte genug da sein. Nie wieder hungern, nie wieder.
So gab es bei uns immer Vorrat an Zucker und Mehl, Blockchokolade, Linsen und Erbsen, Kartoffeln, Dosenwurst und Fett in allen Darreichungsformen. Falls es wieder Krieg gäbe, oder Hungersnot, hätte man ein paar Wochen durchgehalten.
Doch Qualität war immer wichtig. Wo kamen die Eier her, wo das Fleisch? Waren die Tiere gesund? Man konnte sich noch lange an der Tuberkolose der Rinder anstecken.
Mehl aus der Mühle, Obst und Karoffel von Bauern, die nicht spritzen.
Oft bracht der Vater Besonderheiten mit von den Geschãftsreisen, Lachs aus Irland, Schinken und Marmelade aus Frankreich.

Die Tanten lebten bis zum Schluß so. Qualität.
Die Eltern haben nach der Pensionierung eine komplette Drehung vollzogen Richtung Discounter.
Wegen Pfennigbeträgen fuhren sie auch gerne mit dem großen goldenen Auto von Aldi nach Lidl und dann zu Penny.
Zu Besuch, wunderten sie sich über den Geschmack des Käses, des Schinkens und des Brotes.
Aber ja, natürlich, wenn du so viel Geld ausgibst, kein Wunder.
So ging dort auch die Freude verloren an richtig gereiften Aprikosen, an der Knusprigkeit des Bäckerbrote und den wunderbaren Geruch des Camemberts. Fleisch und Wein, die blieben Qualität, ausgesucht und ganz besonders. Doch nie war das Obst richtig reif oder süß genug.

Sie begründeten manches mit dem Hunger von damals.
Hunger, den wir heute nicht kennen.

Aber Essen ist immer noch Religion, auf andere Weise.
Für die einen ist es der Preis, der entscheidet, für die anderen das Biosiegel, und wieder andere der Geschmack. MIt Tier oder ohne. Viel Fisch, wenig Kohlenhydrate, kein Fett.
Sie stehen sich gegenüber wie Krieger und verteidigen ihre Stellung.
Und wenn auf der Gegenseite einer umfällt, hört man das hämische Geschrei der eigenen Fraktion.

Worauf wollte ich nun eigentlich hinaus? Jetzt müsste ja ein Fazit kommen, oder zumindest ein frecher Spruch. Heute nicht. Ach ja, lest des Artikel von Kitty, der ist gut.
Was werden wir essen, von Kitty Koma

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Lob des Lehrers

Lehrer sollen loben, immerzu.
Aber wer lobt uns Lehrer?
Wer sagt “ Das hast Du aber fein gemacht“ und bringt Pralinen?
Die Schüler nicht, die sind zu jung.
Der Eltern nicht, die sind zu verstrahlt.
Die Schulleitung nicht, die sind zu beschäftigt mit den Kollegen, die man schimpfen muss.
Die Verwaltung nicht, weil sie ja von nichts wissen, auch nichts vom Loben.
So muss man sich selbst loben, damit man die schlimmen Tage übersteht.
Auf dem Weg zum Parkplatz, die Tasche macht einem Gorillaarme, muss man es sich sagen, jeden Tag :
„Was bist du denn für ein tolles Einzelkämpferchen im Dschungel von Vietnam. Ohne Dich würde doch die Welt untergehen. Mach einfach weiter, Du kleines Lehrerlein. Das wird schon!“

inspired by miss krise

Oh, ich vergaß…

….beinahe, dass die Bloggerei begann vor 8 Jahren. Ende Januar 2005 fing es mit ein paar abgetippten Texten über Krokodile an. Eine Fahrt an den Nil hatte ich vor und in stiller Erwartung, endlich diese Tiere und andere spektakuläre Dinge zu sehen, fing ich an, in die Welt hinaus zu posaunen. Vielleicht kann ich das Medium auch mit meinen Klassen nutzen, dachte ich.
Die ersten Texte löschte ich wieder, zu banal, zu unpersönlich. Aber ich las bei anderen, guckte, und war beeindruckt. Ja, so wollte ich es machen. Und anderswo, nein, so nicht.
So wurde das oder der Blog zu einem Notizbuch für Alltagskram und Urlaubsreisen. Ab und an ein Video oder ein anderes Blog. Myblog, mein so liebenswerter Bloganbieter, wurde merkwürdig, pflanzte Werbung rein, ließ aber mich nicht mehr an mein Konto. Ein langes Hin und Her, dann trennte ich mich und bin bei wordpress gelandet.
Im alten Blog schau ich ab und an nach, wenn ich vergessen habe, wann ich wo war. Die alten Fotos sind mittlerweile gelöscht, ich weiß nicht mehr warum.
Zwei Bloggerinnen aus den Anfangszeiten kenne ich nun persönlich.
Vielleicht werden es mehr, vor habe ich es.
Und ansosnten weiß ich immer noch nicht, warum ich blogge.
Ein paar Leser habe ich, wer das hier über Feed liest, weiß ich immer noch nicht. Auch ein paar halt. Und warum ich blogge, ist noch immer nicht klar. Macht halt Spaß! Nicht mehr und nicht weniger.

Und hier der erste Beitrag , den es heute noch gibt.
crocos Blog von dunnemals