Wo Freiheit ist, ist auch Müll

Es ist unglaublich: die Sonne scheint und die Korrekturen sind fertig, alle.
Seit Jahren ist dies nicht mehr vorgekommen. Die Sonne ist jetzt allerdings nicht gemeint.
Nein, dass ich keine Korrekturen mehr habe vor den Ferien, ist das Außerordenliche.
Sonst blieb immer noch was liegen, ein Stapel Leistungskursklausuren, zwei Facharbeiten und dann die Abituraufgaben.
Jetzt ist da: nichts.
Ich kann es kaum glauben.
Dieses unbeschwerte Gefühl ist herrlich.
Und hart erarbeitet, mit Wochenendschichten, Nachtarbeiten und einigen „Nein, ich komme nicht mit ins Kino“.
Es ist ein wunderbarer Zustand.
Den ich allerdings nur im Wohnzimmer genießen kann.
Das Arbeitszimmer ist kaum zu betreten. Das ist übrigens ein wichtiges Thema im Lehrerzimmer zur Zeit. Die Betretbarkeit der Arbeitszimmer.
Meines sieht fürchterlich aus. Ich bin ja ein zweidimensonaler Typ. Ich belege Flächen. Was ausgebreitet ist, sehe ich. Stapel kommen in meinem Gehirn nicht vor. Was gestapelt ist, könnte auch weggeworfen worden sein, gleiches Ergebnis: verschwunden.
So habe ich drei Schreibtische über Eck mit Papieren bedeckt. Es schauen allerdings noch zwei Rechner daraus hervor. Auf dem Boden liegen aufgeschlagene Bücher, schön in konzentrischen Halbkreisen um den Bodensitzplatz trapiert.
Dort stelle ich Aufgaben zusammen, für Klausuren, für das mündliche Abitur.
Wenn ich eines der Bücher zuklappe, ist die Idee verschwunden, für immer.
Nein, einscannen hilft nicht, auch verschwunden. Ich brauche das Haptische, ich Internetjunkie und Rechnerfreak liebe Bücher. Einige Handbücher besitze ich nur als DVD und werde jedes Mal zornig darüber, dass ich diese nicht aufgeschlagen auf den Boden legen kann.
Dazwischen sind Springstellen, Löcher im Bücherbodenbelag. Dort schaut der Teppichboden hervor und die muss ich treffen, wenn ich zum Schreibtisch gelangen will. Dreisprung for teachers, sozusagen.
Bis auf einen Stuhl sind auch alle Sitzplätze belegt, der Ausweichstuhl und das indische Sitzkissen.
Dort stapeln sich Zeitungsausschnitte, Schulbuchprospekte und ausgedruckte Emails aus dem Schulsekretariat. Das machen wir immer noch, ausdrucken. Eigentlich raffiniert! Es ist leichter, einfach auf Löschen zu drücken, und das Zeugs ist im Orkus, als ein liebevoll zusammengetrackertes Schriftstück über einen ziemlich unwichtigen Kurs am Rande des Bundesgebietes wegzuwerfen. Ich les das dann immer noch mal.
Und da ich Beauftragte für „Dies und Jenes“ bin, landet alles war nicht zuzuordnen ist zumindest als Ausdruck in meinem Fach. Und dann auf meinem indischen Hocker.
Erhat vier Elefantenköpfe und erträgt alles mit unerschütterlicher Gelassenheit.
Über die Restbesatzung aus Palstikspinnen und Gummifledermäuse erzähle ich ein andermal.
Der Jetztzustand ist festgestellt, die Sonne scheint immer noch und ich geh Wanderschuhe kaufen.

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Ich mach das jetzt auch mal

Twitterlieblinge im Februar

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