Twitterlieblinge im September

https://twitter.com/spandauer81/status/384039474776514560

Noch mehr Spaß, wie immer, bei Anne

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Weiberspeck

Mitten im Schönbuch steht ein Schloss mit ganz viel Heimat drin, und Vergangenheit.
Man darf staunen, sich wundern darüber, was früher hübsch, witzig und sinnvoll war.
Manches erklärt sich von selbst, manches muss man erst eingehend studieren, bis es sich erschließt und zur Not sind da ja noch Schilder, die man lesen kann.
Wie Frauen auszusehen hatten, sieht man auf dem ersten Foto. Wie heute auch, erreicht man das Ziel mitunter nur unter Einsatz von Hilfsmitteln. Die Silhouette, die man im Abendschein auf die Kirchenmauer wirft, soll schon was hermachen. Soll zeigen, die kann arbeiten, und dazwischen noch Kinder in die Welt setzen. Das schafft sie mit links, und etwas Hilfe der Wattfabrik, wie mein Vater immer sagte.
Voilá , der Wonderbra des 19. Jahrhunderts.
Beim dritten Bild dürfen Sie einfach raten, wofür das Teil verwendet wurde.. Aber Sie kommen drauf, ganz bestimmt!
Und danach ein kleines und ein großes Hach. So war es. Und meine Oma…und bei meiner Tante….. So ging es mir. Ich roch plötzlich das warme Wasser, das den ganzen Tag auf dem Küchenherd bereit war, im meist ziemlich verkalkten Schiff, einer Wanne, die im Herd eingelassen war.
Und diese Bilder, unter denen man untergebracht war, als Kind im Gästezimmer der Verwandtschaft. Die Jesusse und Engelchen namen kein Ende, und beschützen einen vor den wuchtigen Kirchturmuhrschlägen, den knarrenden Bodenbrettern, vor den Schatten an der Wand und vor überhaupt.
Das kleine Karussel stand im Schuhladen und Kleincroco drehte sich so lange darin, bis ihr schlecht wurde. Was aber auch von den kleinen Gummitieren in Elefantenform kommen konnte, die der Schuhverkäufer an die wartenden Kinder verteilte. Jedenfalls habe ich jetzt auf einem Foto bestanden, das ich aber keinem zumuten will. Dochdoch, ich passe noch rein, aber gaaaaanz knapp. Und ein bißchen schlecht war mir auch, aber ohne Gummitiere.

Museum der Alltagskultur

Tübingen, mon amour

Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses. Als ich damals weg ging, da war es so, als ob das Herz dort bliebe, am Fluß, am Hölderlinturm.
Erst viel später habe ich es abgeholt, doch es pocht noch aufgeregt und stark, wenn es wieder dort ist. Ob es bleiben will? Irgendwann? Wer weiß.

Diese Stadt ist Provinz, sie hat Zauber und ist doch voller Gewusel.
Im Sommer sind die Studenten weg, die Touristen da. Vielleicht Mama und Papa, die mal schauen wollen. Aber Tübingen hat keine Uni, Tübingen ist eine.
Alles ist verwoben, verbandelt, man wohnt bei den Proffessoren im Keller, am trifft sich an der Wursttheke. Und wie die Schwaben so sind, sie haben kein oben und unten.
Alles sind gleich nur einer von ihnen macht den König, auf Zeit eben.
So hatte der Obstverkäufer und Marktschreier, Politrevolutionär und Remstalrebell mit jüdischer Abstammung einen Sohn, der nun genau gegenüber seinem Obststand arbeitet. Nicht als Obsthändler sondern als Bürgermeister der Stadt Tübingen, grün und schwäbisch, das geht schon. Helmut und Boris Palmer, so.

Dass aber die Dörfer drumrum jetzt die Geschwindigkeit auf den Bundesstrassen auf 30 Kilometer pro Stunde runtersetzten und die beiden obligaten Starenkästen ergänzen durch mehrere angemietete schwarze Säulen, die in alle Richtungen fotographieren, bei Tag und bei Nacht, das ist dann schon jenseits der schwäbsichen Kontrollwut. Das ist eine Sauerei, sagen sie. Man kann da nix machen, sagen sie, zwinkern aber. Ihnen wird schon was einfallen.

Im Schloß dann bei dieser Bruthitze eine Klimaanlage mit Ausstellung, Steinzeitfunden, Kelten, Römer und Schönheit. Wie Schönes Wissen schaft.
Was finden wir schön, was hässlich. So ist mir das kleine Krokodil aus der Zoologie wieder begegnet, als Beispiel für Hässlichkeit. Och nö, Leute, so geht das nicht. Macht das nicht mit mir. Reptilien sind schön, Lebewesen sind schön.
Naja, dafür gab es Gegenstände, die jeder für schön hält plus einem gehäkelten Riff.
Das finde ich jetzt ziemlich skurril, es wirkt ein bißchen wie umhäkelte Klorolle auf Tauchurlaub. Aber man sieht, dass der Aufbau der Korallen einfachen Regeln entspricht, mathematisch erfassbar ist, wie überhaupt das Matehmatische erkennbar ist im Aufbau von Pflanzen und Tieren. Schön!! Schönheit macht neugierig.

Helmut Palmer
Wie Schönes Wissen schafft