Liebe zu Jakob

Zug, Vogelzug, Menschenzug.
Immer ziehen sie, mit voll bepacken Wagen, von recht nach links über die Leinwand.
Die Sehnsucht nach der Ferne, nach fremden Sprachen und seltsamen Tieren, nach einem besseren Leben als dem elendigen hier, das treibt sie.
Es wird besser im nächsten Jahr, das glauben sie. Und dann wird es noch schlimmer.
Krankheit und Hunger, Herzlosigkeit und Armut.
Man fühlt die Kälte.
Das ist aber nur eine. Das andere sind die Wärme der Sprache und mancher flüchtiger Berührungen, dem Blitzen der Augen und wortlosem Zusammenstehen.
Das Leben ist unerträglich im Hunsrück im vorletzten Jahrhundert.
Jakob will nur lesen und kein Schmied sein, kein Bauer.
Er hat ein offenes Herz, ein weiches Herz, und scheint zugrunde zu gehen in dieser Welt der Steine und der Kälte. Doch findet er Geborgenheit, manchmal bei Menschen, manchmal draußen irgendwo. Er träumt sich nach Brasilien, liest und weiß.
Er will mit einem Kopf voller Wissen dort ankommen und nicht mit einem Leiterwagen mit Nachttopf und Federbett.
Doch kommt alles ganz anders.
Wir hören seine Stimme wie er vorliest aus seinem Tagebuch, wir sehen das Leben und den Tod in seinem Dorf, die Hartherzigen und die Weichherzigen.
Und wir sehen sein schönes, sein junges Gesicht, seinen mageren Körper, wie er durch sein Leben rennt und stolpert. Und wir verlieben uns in Jakob. Und ein bißchen auch in den Hunsrück und seine Menschen.
Ach Herr Reitz, das ist so ein schöner Film geworden: Die andere Heimat

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