Lieblingstweets im Februar

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Weitere Lieblingstweets sammelt, wie immer, die wunderbare Anne

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Der Konzertspinner

Ich mag Musik, doch höre ich immer seltener welche. Zuhause ist meist einfach das, was ich den Tag über nie habe: Stille. Doch manchmal raffe ich mich auf, und folge den selbst gemachten Klängen irgendwo hin.
So auch gestern. Ins Gloria am Neumarkt kommt Suzanne Vega. Prima, da geht’s hin. Lange Schlange vor dem ehemaligen Kino, lange Schlange vor der Garderobe. Menschen in dem Alter, in dem man auch gerne mal sitzt, stehen überall rum. Da werde ich schon grantig. Ich mag einfach sitzen beim Hören. Nun gut, mache ich nicht gleich auf Oma hier.
Bißchen Countrygitarre als Vorgruppe und wieder lange Pause. Leute , ich hab nicht die ganze Nacht Zeit. Macht hinne, ich muss morgen früh raus.

Dann irgendwann, nach dem dritten Apfelschorle, kommt sie, unscheinbar, aber mit einer Stimme, die den Raum erfüllt und rauf und runter perlt, dass es eine Freude ist.
Ja, Freude. Die haben andere auch. Besonders der von mir so geliebte Konzertspinner.
Er findet sich übrigens in jedem öffentlichen Konzert. Wie er das macht, ist mir schleierhaft.
Jedenfalls zeigt es sich sofort dadurch, dass er beim ersten Ton der Musik den Kopf vor und zurück wirft, die Haare fliegen und sein Körper zuckt unkontrolliert. Dabei gelingt es ihm, laute durchdringende Schreie von sich zu geben. Der Schrei pflanzt sich dann recht schnell fort, meist bei den Menschen, die hinter mir stehen. Könnte mir ja egal sein, ist ja immer so.
Doch ich falle augenblicklich in eine andere Daseinsform. Ich falle in den Notarztmodus.
Dazu muss ich sagen, dass ich, sobald einer bleich wird und kippt, ich ihn schon in Schocklage gebracht und den Puls kontrolliere habe, bevor noch jemand anders merkt, dass was los ist.
Mich schockt kein Blut, nichts, ich handle automatisch, aus Reflex. Und unternehme alles was nötig ist. Sind alle Aufgaben zu Ende gebracht, alles aufgewischt, alle benachrichtigt, dann wird mir richtig richtig schlecht. Das ist auch der Grund, warum ich doch nicht im Rettungswagen gelandet bin. Und das Arztsein nichts an Romantik für mich besitzt.
Es stresst mich ungemein.
Und jetzt kommen wir zum Knackpunkt der Geschichte. Diese zuckenden und schreienden Konzertspinner versetzen mich in den Notarztmodus. Für einen Teil von mir ist hier ein Mensch in Not, er schreit nach Hilfe, ich bin hellwach und bereit abzubinden, was abzubinden ist. Praktisch für den Ernstfall, äußerst lästig beim Ereignis, das mit Musik und Gefühlen zu tun hat, haben könnte. Ich höre kaum noch auf die Musik, der Schalter ist von sensibel auf robortermäßig umgelegt. Ich könnte eigentlich gehen. Wenigsten hilft mir dieser Zustand, rechtzeitig alle Pfandbecher zurückzugeben und den Mantel an der Garderobe abzuholen. Auch wenn der Höhepunkt mit „My name is Luka“ gerade erreicht und der Saal gerührt mitschwingt.
Das nächste mal geh ich wieder in die Philharmonie, da zuckt keiner.

Ich hasse Konzertspinner.

Farbige Spiele

Die Sportler mögen es bunt. Sei es, dass sie, falls sie in Gletscherspalten fallen, recht schnell gefunden werden wollen, sei es dass die Verbreitung von Frohsinn ihr Staatsziel ist.
So gesehen sind die Textmarkerwattebäuschchen der Deutschen voll im Trend. Die Farben wirken!
Trostlos und irgenwie traurig die Modenationen Frankreich und Italien! Gute Schnitte, zweifellos, leicht tailliert und edel.
Doch einfach unpassend. Blau. Grau. Duster.
Getoppt wurden alle durch Omas Stickwestenumzug der Amerikaner.
Technisch einwandfrei, die Ringe rund, die Schrift gut lesbar. Aber unpassend. Schnee drauf und das Ding wird schwer und klatschnass. Seit Bridget Jones gab es kein peinlicheres Strickerzeugnis.
A propos Strickeerzeugnis.
Die neue Pudelmütze ist gehäkelt, mit dicker Neonwolle und festen Maschen. Niedlich.
Und der ganze vordere und hintere Balkan trägt Norwegermuster. Bis auf die Norweger selbst. Klar. Sind ja auch kein Balkan.
Stilvoll und farbig, die russischen Ledermäntel mit Puschelrand sind gelungen. Ein gute Abschluss.
Ach ja, und dann das Ballett, wie wunderwunderschön wogt und lebte das. Der Tanz auf den projizierten Bildern, auf Schiffen, auf Eis, auf Straßen. Ein ganzes Bild der russischen Geschichte, der Landschaft, der Musik. Wunderbar war das.
Nur den deutschen Moderatoren hätte man manches Mal das Schweigen der Taiga gewünscht.