Letzter Sommer III Männerheim

Finnisch klingt lustig, wenn man zählt yksi, kaksi, kolme, was eins, zwei, drei heißt. Finnisch ist kompliziert, wenn man den Stadtplan auf den Knien hat und eine ganz bestimmte Strasse sucht. Strasse heißt katu, das hilft. Fast alle Strassen fangen mit K an. Das verwirrt wieder. Die Stadt besteht aus Hochhäusern, die sich sehr ähneln, so ostblockmäßig ähneln. Plötzlich ist man auf einer Brücke, und schwupps, ist man schon auf der nächsten Insel. Immer denkt man, an der Ecke warst Du doch schon. Werbeschilder gibt es kaum. Doch es gibt Männerheime.
Immer wieder ein Schild, ein Plakat, Männerheim.
Auf Finnisch, auf Schwedisch.
Dass die finnische Gesellschaft eine besondere ist, ja das wussten wir. Aber so viel verfolgte Männer? Wir waren überrascht.
Schlussendlich hatten wir Hotel und Freundeswohnung doch gefunden und waren nur noch glücklich.
Die Frage nach den Männerheimen mussten wir dann doch dem Freundinneneheman stellen.
Er fing an zu lachen. „Nein, Männerheime haben wir nicht. Aber Mannerheim. Carl Gustaf Mannerheim.
Ein Nationalheld mit viel schwarzen Flecken auf der weißen Weste. Wir Finnen lieben ihn, wissen aber nicht warum. Eigentlich gibt es keinen Grund dafür.“
So erzählte er mir die wirre, undurchsichtige Lebensgeschichte eines sehr anpassungsfähigen Adligen, der kaum finnisch sprach.

Apropos Sprache. Die einzige Aufnahme von Hitler ohne Brüllstimme ist aus einem Geapräch mit Mannerheim. Er kam extra uneingeladen nach Finnland um die Finnen aus der Neutralität zu boxen. Mannerheim hat ihn im Eisenbahnwagon empfangen, ihn ein bißchen provoziert und das Gespräch aufgezeichnet.

So, Schluss für heute. Beim nächsten Mal geht es das Selbstbewußtsein und wie es mit einer ganz bestimmt Sauna zusammenhängt.

CarlGustaf Emil Mannerheim

Hitlers Gespräch mit Mannerheim

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6 Gedanken zu “Letzter Sommer III Männerheim

      • In Mikkeli am Bahnhof auf einem Nebengleis. Es sind eigentlich zwei Waggons, überwiegend aus Holz und braun gestrichen. Man hat extra ein Dach drüber gebaut, damit sie vor Regen und Schnee geschützt sind.

        In Mikkeli (100km nordöstlich von Helsinki) war im Krieg das Hauptquartier der finnischen Streitkräfte. Drum wurde die Stadt auch mehrmals von sowjetischen Fliegern bombardiert.

      • Das wusste ich nicht, dass der Waggon noch existiert. Danke für die Information. Leider hatten wir nicht mehr so viel Zeit, um noch rumzureisen. Und es waren drei kleine Freundeskinder dabei.
        Ein andermal.
        Ich sehe gerade Ihre Fotos von Sils Maria, also vom Nietzschehaus.Da wollte ich schon IMMER hin.
        Haben Sie auch ein Blog?

      • Ich hatte ein Blog, sieben Jahre. Ich habe es im letzten Jahr geschlossen. Drum verlinke ich heute meine Fotoseite.

        Das Nietzsche-Haus in Sils stand schon viele Jahre auf meinem Programm, endlich hat es einmal geklappt. Es liegen ein paar Handschriften da, Briefe, Zettel und sowas.

        Ich besuche gerne solche Orte. In Finnland war ich in Sibelius‘ Wohnhaus (und Grab), paar km nördlich von Helsinki. Man nimmt an solchen Plätzen eine ganze Menge mit, finde ich.

      • ja, kann mich dunkel an ein Blog erinnern.

        Solche Orte mag ich sehr. Angefangen hatte es, als ich als Jugendliche einmal auf einer Klassenfahrt im Adenauer Haus in Rhöndorf war. Und ich gesehen habe, wie klein die Zimmer waren, wie abgeschabt das Sofa, und wie bescheiden dieser Mensch gelebt hat. Man macht sich ein eigenes Bild von einem Menschen. Warten Sie mal auf meine nächsten Beitrag 😉

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