Gold und Kuchen

Um die nächste Ecke liegt nun El Dorado. Naja, eher eine Goldgräberregion ist das um Cripple Creek. Angeblich haben sich da früher die Pferde die Beine gebrochen, weil sie dauernd in die Löcher der Grounddogs gestolpert sind, also so zum Krüppel wurden. Heute hat Cripple Creek was seltsam Schizophrenes, einerseits sieht man überall die alten Holzhäuser des Goldgräberstädtchens, andererseits guckt an jeder Ecke ein Casinoschild hervor. Man ist zum Mini-Las-Vergas mutiert. Hinter der Holzhäuserreihe stehen in Lauerstellung riesige Parkhäuser, damit ja kein Kunde entkommt. Beschaulicher geht es in Victor zu. Umgeben von verlassenen Minen dümpelt das Städtchen vor sich hin. Ein bißchen Show kann man bieten, ansonsten aber lieben die 300 Bewohner es beschaulich. Das Diner an der Ecke kann man empfehlen. Burger halt. Fragt man nach Kuchen, wird man zur deutschen Bäckerei geschickt, dort gäbe es Beesting. Genau, Bienenstich. Die dritte Strasse rechts und schon ist man da. Die Besitzer sind deutsche Auswanderer und freuen sich sehr über Besuch. Es gibt auch Schwarzwälder Kirschtorte und Schwarzbrot, eine Rarität in dieser Weltgegend. Es kämen Menschen herauf aus Colorado Springs, nur wegen Brot und Kuchen. Verstehen kann man es. Gleich daneben passen zwei ältere Damen auf einen Schatz auf. Eine ehemalige Druckerei ist nun ein Laden und man kann Dinge dort kaufen, von denen man nicht mal wusste, dass es sie gibt.
Aber verraten will ich nichts: fahren Sie nach Victor! Und wenn Sie deutscher Konditor sind, wandern Sie nach Colorado Springs aus. Sie werden heiß erwartet. (Ich habe versprochen, dafür zu werben. Der Konditor vom Schnitzelfritz ist nämlich wieder nach Deutschland zurück.)
Ab und an sehen wir die Reste der ehemaligen Gruben, die Eingänge sind verschüttet. Wie abgenagt stehen die Bretter in der Luft.
Die Berge drumrum sind keine, es sind Abraumhalden.
Die Goldförderung ist nun systematisch angegangen worden. Man beschloss, sich in den Erdball zu graben. Ein Riesenloch kann man sehen, wenn man den Führerschein zeigt und verspricht, die Strecke nicht zu verlassen. Das traut man sich auch nicht mehr, wenn man mal die Laster mit Bruchgestein gesehen hat. Da bleibt man einfach in der Reifenfuge kleben. In der winzigen Kabine, bitte suchen, sitzen meist nur Frauen. Sind zuverlässiger, sagen sie. Das muss man auch als Grubenarbeiter sein. Pro Tag wird in dieser Grube Gold im Wert von 1 Million Dollar gewonnen. Nein, dem Staat gehört sie nicht. Merkwürdigerweise fördert hier eine südafrikanisch-ghanesische Firma namens Anglogold Ashanti. Den Rest der Goldgewinnung konnte man leider nicht besichtigen, schade. Naja, ist aber auch grauslig giftig.



So, wenn Sie jetzt schon so weit unten angekommen sind, noch etwas von Bob Dylan. Passen Sie genau auf, bei 1:55 wird Cripple Creek erwähnt. Nicht ablenken lassen!

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4 Gedanken zu “Gold und Kuchen

  1. Die Minen sehen grauselig aus. Aber das haben Minen wohl so an sich. So wie die in Kasachstan. Oder die Tagebaue. Früher, die meine Heimatstadt einkesselten

  2. Beesting klingt besser wie Bienenstich.
    ein spannender Bericht, mal was anderes! Die Größe lässt sich wahrscheinlich kaum ermessen. Ich war erst vor kurzem beim Tagebau, das ist auch einfach nur – groß.

    • Sagen wir seitdem auch immer: bring Beesting mit 🙂
      Die Tiefe ist der Hammer, man guckt und guckt und es wird noch tiefer.
      Beim Grand Canyon war ich dann tatsächlich völlig überfordert.
      Mein Hirn ist zu klein für große Löcher. Ich erfasse sie einfach nicht.

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