Geisterstunde

Wenn es Nacht wird, kommen die Gespenster.
Ich meine nicht das Krachen im Gebälk, die kreischende Katze oder die Fledermäuse unter den Dachpfannen.
Ich meine die, die kommen, wenn man die Augen schließt. Es sind die, die nicht mehr leben und einen zwischen Tag und Traum besuchen. Aus dem anderen Reich drängen sie sich im Halbschlaf in meinen Kopf.
Alles Ablenken funktioniert nicht. Ich zähle das Ausatmen bis zehn und dann wieder von vorne, eins, zwei, drei… Kalter Orangensaft, warme Milch, nichts hilft. Sobald ich versuche zu schlafen, sind sie wieder da.
Ich sehe das Haar der Freundin glänzen, höre ihr kehliges Lachen, wenn sie sich das Cello auf den Rücken wuchtet.
Der Vater läuft durch’s Bild, lächelt und winkt. So auch die Tanten, der Cousin. Und dann noch der Deutschlehrer.
Alle Toten der letzten Jahre kommen mich besuchen. Mein Hirn will das so.
Sie haben keine Botschaft, oder ich verstehe sie nicht.
Sie wirken nur sehr friedlich, fast fröhlich.
Vielleicht will mein Kopf mir sagen : hab keine Angst, zumindest nicht davor.
Kann ich dann einschlafen, wenn ich das begriffen habe?
Zumindest banne ich jetzt alles in mein Blog und versuche nochmals, den Schlaf zu suchen, vielleicht ohne Besuch der Geister?

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3 Gedanken zu “Geisterstunde

  1. Nein, die Toten können warten, und ich hoffe sehr, so sehr, der Schlaf setzt sich zu ihnen aufs Fensterbrett und bleibt dort für lange Stunden sitzen.

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