Twitterlieblinge im März

Es gibt sie wieder, die Lieblinge. Ein paar Tage war alles unsicher. Die neue IOS-Software hat das Ipad lahmgelegt, nichts ging mehr. Alle Tipps aus dem Internet taten es nicht. Suchen Sie den nächsten Applestore auf, das war die Botschaft. Nun, der nächste hat das Rennen nicht gemacht, dafür aber einer zwei Inseln weiter. Der zunächst sehr skeptische junge Mann mit leicht süffisantem Lächeln vom Typ „Merkwürdige ãltere Frau kann nicht mit ihrem Gerät umgehen“, hatte sehr schnell die Probleme, die ich auch hatte. Die Methoden, die er anwandte, kann ich ja und funktionierten bei ihm auch nicht. Ich wollte ihn nicht nervös machen und ging Kaffeetrinken. Danach war er noch konfuser. Es half ihm, dass ich nun die Fortsetzung meines Touristenprogramms andeutete und gegen Abend wieder kommen wollte. Da war er nun fertig geworden und hatte das Ipad auf Fabrikzustand herunterbehandelt. Dass ich nicht hyperventlierte, lag an meiner im letzten Jahr erworbenen Gelassenheit und dem Backup auf dem heimischen Rechner. Er hat mir dann noch ein bißchen erklärt, wie man die Sachen wieder drauf spielt und war dann sichtlich erleichtert, dass ich den Laden wieder verließ. Nein, gekostet hat es nichts. Nur ihn. Nerven.

Nun zu den Tweets. Viele Bilder und Gifs wieder. Lese ich die Texte nicht mehr? Merkwürdig . Jedenfalls sammelt die wunderbare Anne Schüßler wieder alle Lieblingstweets.

Advertisements

München zwei

Schloss Nymphenburg Decke

Seit ich fast im Blühenden Barock* geboren wurde, habe ich ein Faible für schwungvolle Formen, Gold und bombastische Auftritte. Es ist nicht so, dass ich das jeden Tag haben muss, doch ab und an freuen mich ein Schloss und ein König dazu ungemein.
Und ein Schloß im Winter freut noch mehr. Keine Reisegruppen, originale Eistemperaturen in den Gemächern und Zeit zum Betrachten. Im Grunde genommen war es so in Schloß Nymphenburg. Nur dass wir von der Tram zum Schloss schwimmen mussten. Die größte Autowaschanlage Münchens war extra aufgebaut worden, es goss wie aus Kübeln. Und kein Geschäft auf dem Weg verkaufte Schirme. Erst im Schlossshop ( toller Name, gell?), gab es dann einen total bayrischen Stockschirm. Löwen drauf, die blauweiße Raute und der Schwan der Porzellanmanufaktur, alles da.
Für den Park war es viel zu nass, aber es gab einen Film dazu. Und ich kannte den Park und die Gartenhäuschen von diversen Kursfahrten. Das Schloss selbst bietet so hübsche königliche Wohnräume mit Seidentapeten und Gartenszenen an den Decken. Ein leichtes helles bezauberndes Schloss. Dann die Schlitten und Kutschenabteilung im Nachbargebäude, so viele Schlitten hatte sicher nur der russische Zar. Eine Restaurateurin erneuerte gerade die Vergoldung. Es strahlt alles so, dass sie kaum noch was sähe, sagte sie.
Dann gab es noch gemalte Lieblingspferde und ganz viel Pferdegeschirr. Da war dann die Porzellanabteilung eine Erleichterung. Filigranes, vergoldetes in Reinstform und in Überdosis. Dabei sollte es nur das Essen warm halten und am Weglaufen hindern.
Allerliebst war auch ein kleines Gemälde, das das Arbeitszimmer der Königin, der Ehefrau von Ludwig I, darstellte.
Man mōge mir verzeihen, dass ich nicht auf die lange Reihe der wichtigen Könige Bayerns samt ihrer Eskapaden und Schönheitsvorstellungen eingehe. Dazu reicht ein Leben nicht.

*Blühendes Barock

München eins

Wie ist München so?
Alles ist ordentlich angemalt. Nie ist Farbe an der falschen Stelle, Harmonie in Reinstform. Oder anders gesagt: komplett graffitifrei. Die Ubahnen haben saubere Fenster, ganze Sitze und gewischte Böden. Die Stationen sind unromantisch aber absolut sauber. Zugegeben, manche Linien sind etwas trutschelig, die Türen klemmen auch. Trotzdem wirkt es auf mich wie ein riesiges Freilichtmuseum. Ich glaube, ein Münchner bekommt in Köln Schnappatmung. Und doch wird gemault, man glaubt es kaum. Einer motzt immer, über die Türen, die Luft, das Wetter, irgendwas. Frau Kaltmamsell hat mir erklärt, dass das Granteln heißt. Und keinesfalls so gemeint ist.
Wie München sich selbst sieht, zeigt das Plakat. Schuhe, Hunde, Kirchen, Essen. Kommt hin. Doch den Marienkäfer versteh ich nicht. Grantelt der?

Die Welt ist schön aufgeteilt. In der Ubahn fahren bis auf eine Ausnahme, einem ganz cooler Vater, nur Frauen mit Kinderwägen spazieren. Ist es das, was Seehofer meint? Heile Familienwelt?
Ich habe keine schwulen Pãrchen gesehen, zumindest nicht Hãndchen haltend. Und die Familien bestehen aus Vater-Mutter-Kind. Heimelig.
Ach, ein bißchen gruselig wird es dann doch. An der Sparkasse hängt diese Figur, ein Sparmonster. Ist bestimmt das Münchner Kindl, oder?