Twitterlieblinge im April

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München fünf

Es ist weit nach Mitternacht und ich habe schon ein Probeschlafen im Bett hinter mir. Es geht nicht, denn ich röchle wie ein Walross. Seit ich wieder unter Leute gehe, kämpft mein kaputtes Immunsystem gegen lauter frische Keime. Und verliert, die arme Socke. Zu jeder Mahlzeit gibt es Tabletten in allen Farben, so dass ich zumindest fieberfrei bin und Luft bekommen. Meine größte Angst ist ja immer, dass die Stirnhöhlen nicht frei bleiben. Ach, ich will Sie jetzt nicht mit dem belästigen, was in mich rein und aus mir raus läuft. Ich habe ja noch Münchenfotos.

Die Museen sind die Juwelen dieser Stadt, so empfinde ich das. Das Lehnbachhaus ist umgebaut und erweitert worden. Und man hat die Bilder der Blauen Reiter umgehängt. Da ich sie seit vielen Jahren besuche, darf ich das jetzt sagen: es gefällt mir nicht, wie und wo sie hängen. Das Licht ist anders und sie wirken nicht so, wie sie es früher getan haben. Und ansonsten hat das Museum eben den Charme des Durcheinanders, ein bißchen Neon, ein bißchen Beuys, ein bißchen sonstwas. Ich liebe das.

Das macht aber alles nichts : der Mohnkuchen im Café und die freundliche rumänische Bedienung sind beide wunderbar. Wenn Sie ebenfalls auf die Mischung Kunst und Kuchen stehen, gehen Sie doch in die Glyptothek. Dort finden sie unglaublich schöne Menschen in Marmor und sehr guten Kuchen, nein, nicht in Marmor. Anschließend können sie gegenüber in der Antikensammlung die Etrusker besichtigen. Seit dem Etruskermuseum in Este vor vielen Jahren liebe ich ja die kleinen Bronzemännchen, die irgendwas machen: rumstehen, kämpfen, sich umarmen. Sogar Schweinchen gibt es.
Ich sehe gerade: die Etrusker sind schon wieder weg. Macht ja nix, gucken Sie halt hier.
Übrigens sehen die beiden Museen exakt gleich aus uns stehen sich gegenüber. Dazu kommen noch die Propyläen, einem griechisch nachempfundenen Stadttor, was alles den Königsplatz zu einem beeindruckenden Ort macht.

Lenbachhaus
Glyptothek
Antikensammlung

München vier

Süddeutschland ist einfach Barock. Oder Rokoko. Wenig Gotik, etwas Romanik. Ich finde ja, die Bauten drücken das Lebensgefühl der Menschen einer Stadt aus. Die Kölner haben zwar eine leicht schãbige Stadt, kein Wunder nach Bombardierung und Schnellaufbau, lieben aber ihren Dom von ganzem Herzen. Und so steht er auch da, viel zu hoch und viel zu breit ist er der Chef der Stadt. In Mainz ist es ähnlich. Von der ursprünglichen Bausubstanz ist wenig da, dafür liegt mitten drin, satt und ausladen, der Dom aus rotem Buntsandstein. Und die Mainzer lieben ihn. Die Hamburger lieben ihren Michel und Stuttgarter, um einiges pragmatischer, ihren Bahnhof. In München ist es die Frauenkirche, die man von überall aus sieht.
Und das Lieblingsgebäude ist das Maß aller Dinge. Nichts darf höher sein, nichts sollte die Sicht verstellen. Und wenn irgendwo ein Steinbrocken vom Turm fällt, blutet allen das Herz.
Die Münchner Frauenkirche sieht man tatsächlich von fast überall her. Zur Zeit ist sie von Baugesrüsten zugepackt. Es dauert, bis man den richtigen Eingang findet. Dafür entdeckt man die Reihe der Zivilfahrzeuge der Polizei, schön mit Plakette hinter der Windschutzscheibe. Tatort, denke ich als erstes. Bis mir einfällt, dass man den ja vermutlich nicht im Hauptquartier der echten Polizei dreht. Die Frauenkirche ist innen hoch, hell aber ziemlich unspektakulär. So gibt es keine Fotos.
Dafür aber von einer Kirche, die ich bisher nie gefunden hatte. Und jetzt weiß ich warum. Sie liegt so eingequetscht zwischen Häusern und ist auch so hoch wie sie, dass man sie aus der Ferne übersieht. Sie ist die Privatkirche der Gebrüder Asam.
Hier konnten sie, auf einem sehr schmalen Grundstück, das verwirklichen, was sie sich vorstellten. Und kein Bauherr redete ihnen in ihre Arbeit rein, so wie man sich das bei den andern Auftraggebern gut vorstellen kann.
Und die Kirche ist wirklich ein Kleinod. Von außen schmal, aber innen tut sich der Himmel auf. Licht und Farbe, Höhe und Gold.
Man kann nur den Vorraum betreten, dann hält einen ein Gitter auf. Schade, ich hätte gerne die Decke gesehen direkt von unten.
Jetzt frage ich mich, ob die sachliche, klare Frauenkirche oder eher die bunte, pralle Asamkirche dem Lebensgefühl der Münchner entspricht?

Brüder Asam