München vier

Süddeutschland ist einfach Barock. Oder Rokoko. Wenig Gotik, etwas Romanik. Ich finde ja, die Bauten drücken das Lebensgefühl der Menschen einer Stadt aus. Die Kölner haben zwar eine leicht schãbige Stadt, kein Wunder nach Bombardierung und Schnellaufbau, lieben aber ihren Dom von ganzem Herzen. Und so steht er auch da, viel zu hoch und viel zu breit ist er der Chef der Stadt. In Mainz ist es ähnlich. Von der ursprünglichen Bausubstanz ist wenig da, dafür liegt mitten drin, satt und ausladen, der Dom aus rotem Buntsandstein. Und die Mainzer lieben ihn. Die Hamburger lieben ihren Michel und Stuttgarter, um einiges pragmatischer, ihren Bahnhof. In München ist es die Frauenkirche, die man von überall aus sieht.
Und das Lieblingsgebäude ist das Maß aller Dinge. Nichts darf höher sein, nichts sollte die Sicht verstellen. Und wenn irgendwo ein Steinbrocken vom Turm fällt, blutet allen das Herz.
Die Münchner Frauenkirche sieht man tatsächlich von fast überall her. Zur Zeit ist sie von Baugesrüsten zugepackt. Es dauert, bis man den richtigen Eingang findet. Dafür entdeckt man die Reihe der Zivilfahrzeuge der Polizei, schön mit Plakette hinter der Windschutzscheibe. Tatort, denke ich als erstes. Bis mir einfällt, dass man den ja vermutlich nicht im Hauptquartier der echten Polizei dreht. Die Frauenkirche ist innen hoch, hell aber ziemlich unspektakulär. So gibt es keine Fotos.
Dafür aber von einer Kirche, die ich bisher nie gefunden hatte. Und jetzt weiß ich warum. Sie liegt so eingequetscht zwischen Häusern und ist auch so hoch wie sie, dass man sie aus der Ferne übersieht. Sie ist die Privatkirche der Gebrüder Asam.
Hier konnten sie, auf einem sehr schmalen Grundstück, das verwirklichen, was sie sich vorstellten. Und kein Bauherr redete ihnen in ihre Arbeit rein, so wie man sich das bei den andern Auftraggebern gut vorstellen kann.
Und die Kirche ist wirklich ein Kleinod. Von außen schmal, aber innen tut sich der Himmel auf. Licht und Farbe, Höhe und Gold.
Man kann nur den Vorraum betreten, dann hält einen ein Gitter auf. Schade, ich hätte gerne die Decke gesehen direkt von unten.
Jetzt frage ich mich, ob die sachliche, klare Frauenkirche oder eher die bunte, pralle Asamkirche dem Lebensgefühl der Münchner entspricht?

Brüder Asam

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