München fünf

Es ist weit nach Mitternacht und ich habe schon ein Probeschlafen im Bett hinter mir. Es geht nicht, denn ich röchle wie ein Walross. Seit ich wieder unter Leute gehe, kämpft mein kaputtes Immunsystem gegen lauter frische Keime. Und verliert, die arme Socke. Zu jeder Mahlzeit gibt es Tabletten in allen Farben, so dass ich zumindest fieberfrei bin und Luft bekommen. Meine größte Angst ist ja immer, dass die Stirnhöhlen nicht frei bleiben. Ach, ich will Sie jetzt nicht mit dem belästigen, was in mich rein und aus mir raus läuft. Ich habe ja noch Münchenfotos.

Die Museen sind die Juwelen dieser Stadt, so empfinde ich das. Das Lehnbachhaus ist umgebaut und erweitert worden. Und man hat die Bilder der Blauen Reiter umgehängt. Da ich sie seit vielen Jahren besuche, darf ich das jetzt sagen: es gefällt mir nicht, wie und wo sie hängen. Das Licht ist anders und sie wirken nicht so, wie sie es früher getan haben. Und ansonsten hat das Museum eben den Charme des Durcheinanders, ein bißchen Neon, ein bißchen Beuys, ein bißchen sonstwas. Ich liebe das.

Das macht aber alles nichts : der Mohnkuchen im Café und die freundliche rumänische Bedienung sind beide wunderbar. Wenn Sie ebenfalls auf die Mischung Kunst und Kuchen stehen, gehen Sie doch in die Glyptothek. Dort finden sie unglaublich schöne Menschen in Marmor und sehr guten Kuchen, nein, nicht in Marmor. Anschließend können sie gegenüber in der Antikensammlung die Etrusker besichtigen. Seit dem Etruskermuseum in Este vor vielen Jahren liebe ich ja die kleinen Bronzemännchen, die irgendwas machen: rumstehen, kämpfen, sich umarmen. Sogar Schweinchen gibt es.
Ich sehe gerade: die Etrusker sind schon wieder weg. Macht ja nix, gucken Sie halt hier.
Übrigens sehen die beiden Museen exakt gleich aus uns stehen sich gegenüber. Dazu kommen noch die Propyläen, einem griechisch nachempfundenen Stadttor, was alles den Königsplatz zu einem beeindruckenden Ort macht.

Lenbachhaus
Glyptothek
Antikensammlung

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12 Gedanken zu “München fünf

  1. Ach ja, die Glypothek! Ein wirklich ganz und gar verzauberter Ort. Ich habe an das neue Lenbach-Museum vor allem sehr schmerzhafte Erinnerungen. Ein älterer Herr trat mir kräftig auf die Zehen, die hochsommerlich in Sandalen steckten. Ich habe dann mehr Sterne vor den Augen als Geduld für die Bilde gehabt. Ihre Münchenimpressionen aber sind wunderbar und ich hoffe Ihr Immunsystem bleibt Ihnen gewogen.

  2. Ach schade, das tut mir leid,
    so ãltere Herren sind mitunter sehr mit sich beschäftigt. Hat es Sie wenigstens zum Kaffee eingeladen? Oder war es eher ein stilloser älterer Herr?
    Freut mich sehr, dass Ihnen meine Impressionen gefallen. Ich hab ja immer so viel gelesen und geguckt und muss dann alles runterbrechen für das Blog. Und hoffe immer sehr, dass es nicht banal wirkt.
    Mein Immunsystem, das kleine und winzige, grüße ich von Ihnen. Das wird ihm Mut machen.

  3. Ach, das sieht ja aus wie Schweinchen (meine Schwäche), das Tönerne. Schön, so ein Blick auf München aus einer Einheimischenfremden-Perspektive.
    Ich überlege übrigens immer noch, was DIE typische Münchener Kirche ist. Vielleicht doch so was Spätbarockes wie die Viscardi – äh dingens Dreifaltigkeitskirche, oder DOCH was Eklektizistisches, Neoromanisches, Neoirgendwasiges… Die Frauenkirche ist so aufgeräumt, da waren wir ja alle entsetzt nach der Renovierung. Und die Asams, das ist Rom. Total. Zwei sonderbare Junggesellen, die in Rom waren.
    … hmm…
    Liebe Grüße
    Angela

    • Das kann ich gut verstehen, dass man vom Inneren der Frauenkirche enttäuscht ist. Man erwartet so viel, tritt ein und dann diese seelenlose Leere, schade.
      Wir waren noch in der Bürgersaalkirche. Es war gerade Messe und rappelvoll, unter der Woche, am hellichten Vormittag. Diese beiden Säle übereinander haben mir gut gefallen.

  4. Die Bürgersaalkirche wird ja gerne besucht, direkt nach dem Einkauf bei K*rst*dt 🙂 – so jedenfalls meine Schwiegermutter damals…
    Ich bin nun doch für die Theatinerkirche. Ist innen Bologna, Fassade französisvh und die Türme eine Hommage an S. Maria della Salute – aber das Ensemble, der Odeonsplatz mit Feldherrenhalle und Hofgarten (-Cafe).. das ist München, finde ich.

    Schönes Wochenende
    Angela

    • Achso, der Ablass nach dem Einkauf, die Kirche als Ort der Reue oder des Dankes nach gelungenem Beutezug : so hab ich das ja noch nie gesehen.
      Die Theatinerkirche kenne ich auch von früheren Besuchen. Beim nächsten Besuch muss ich dringend auf ihre Wirkung und den Platz drumrum achten. Wenn Du schon sagst, dass das München ist, dann ist es das sicher auch 🙂
      Dir auch einen schönen Sonntag.

  5. vielen Dank für all di München-Impressionen. Ich stehe der Stadt ja sehr zwiespältig gegenüber, im Grunde kann ich mit ihr und ihren Bewohnern nichts anfangen. Aber reizvoll ist sie doch und so gefallem mir solche Berichte immer wieder.
    Der Weg zurück ins Leben besteht einfach aus vielen kleinen Schritten und jeder Schritt benötigt Kraft. Alles Gute dem Immunsystem!

    • Bittebitte.
      Seltsam, dass man manche Städte mag und manche nicht.
      So habe ich immer das Gefühl, Düsseldorf will mich nicht.
      Ich habe fast nur gute Erfahrungen gemacht mit München und den Menschen da.
      Natürlich zählen das Essen, die Museen und der englische Garten mit.
      Ja, mein Leben in kleinen Schritten, da sagste was!
      Ich, die immer mit beiden Beinen in was reinspringt, muss sich bescheiden.
      Ich sehe es gerade als Erziehungsmaßnahme des Lebens, extra für mich.
      Danke für die guten Wünsche!

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