Gespensterwochen

Vielleicht kennen Sie sie ja, diese Zeit der Gespenster. Jahre, Jahrzehnte vergehen und plötzlich stehen Menschen vor der Haustür oder sind am Telefon, die es eigentlich nicht mehr gibt. Manche haben sich lautlos verabschiedet, andere sind mit einem Knall abgetaucht. Und dann stehen sie wieder da. Unsicher, weil sie nicht wissen was passiert. Und doch mutig genug, einfach aufzutauchen, genau in den zehn Minuten, in denen man zu Hause ist. Gut, alle Termine werden abgesagt und es gibt Kaffee und Kuchen. Kann ich fragen, warum Du da bist? Glaubst Du, dass ich vergessen habe? Und vielleicht verziehen? Nein, ich frage nicht, und Du erzählst Belangloses.
Dann nimmst Du mich in den Arm, schaust mir in die Augen und sagst, dass Du Dich so freust, dass ich lebe. Und ich kann nicht antworten.
Und so fährst Du wieder weg, und ich habe den Kloß im Hals und die wilden Träume.

Und der andere kommt auch unvermittelt, sagt sich kurz vorher an, erzählt von früher und schaut voller Erwartung. Ich kenne dieses Früher nicht mehr, brauche meine ganze Kraft für das Jetzt.
Habe ich das so erklärt, dass es verstanden wurde? Ich kann niemanden retten, jetzt nicht, später nicht. Bin keine Heldin mehr.

Und dann am Telefon eine Zusammenfassung der letzten zwanzig Jahre. Das war schön. Ich mochte sie wieder, ganz plötzlich, obwohl es damals dann kaum mehr zu ertragen war. Aber die Umstände haben sich geändert. Ja, ich glaube, sie will ich wieder sehen.

Und jetzt der Brief nach fünfzehn Jahren. Mit Dank dafür, wie sehr ich sein Leben beeinflusst habe, mir ganz wenig aber zur richtigen Zeit. Das hat mich sehr berührt und ich suche immer noch nach Worten die ich zurück schicken möchte.

In einem Geschäft dann ein Profil erkannt, nach bald fünfzehn Jahren. Und beim Frühstücken ein ganzes wildes Leben erzählt bekommen, ganz weit weg, auf einem anderen Kontinent. Das war zauberhaft, ganz besonders.

So hoffe ich, dass die Fahrwasser wieder ruhiger werden und die Fliegenden Holländer mit ihren Geisterschiffen ihr Zeit auf hoher See verbringen und keiner mehr bei mir landet.
Ich möchte in nächster Zeit ein ganz langweiliges Leben haben, und Nächte ohne wilde Träume.

Advertisements

7 Gedanken zu “Gespensterwochen

  1. Dergleichen wünsche ich mir ab und zu! Aber nichts passiert. Hab ich also was falsch gemacht, oder sollte ich gar froh sein?
    Ah, doch, einmal klingelten zwei ehemalige Schüler von mir, allerdings sturzbesoffen – und ich war froh, dass ich nicht da war.
    Im Ernst, habe sie an der Tür kurz „abgefertigt“, darauf konnte ich gut verzichten. Vielleicht war ich so streng, dass sie sich einen Besuch nur „so“ vorstellen können??
    Gut, dass Du es nicht mehr gruselig findest. Dazu noch eine Frage: Glaubst Du an Zufälle?
    Gruß von Sonja

    • Betrunkene Exschüler sind auch was feines. Ich weiß nicht, ob man sich Gespenster jedweder Art herbeiwünschen sollte. Zufälle? Dieses Mal ist die Zufallswahrscheinlichkeit eindeutig überschritten. Aber auch unwahrscheinliche Dinge ereignen sich. Und manchmal liegt einfach etwas in der Luft. Jetzt scheint aber Ruhe zu herrschen an der Gespensterfront.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s