Wochenende, ein bißchen faul

Die drei Arztkontakte der letzen Woche haben mich so aufgewühlt, dass ich in der Nacht zu Samstag kaum geschlafen habe. In der Morgenzeitung steht dann, dass die Nachbarin ein paar Häuser weiter im Dorf verstorben ist und auch schon beerdigt. Dass sie schwer krank war, hat man ihr angesehen und sie hat ab und an erzählt, wie mühsam und schmerzhaft alles sei. Ich weiß, sagte ich, ich weiß. Seit zwei Wochen nun sind die Läden runter am Haus und man hätte es wissen können. Aber dass es keine Beerdigung gibt, bei der man Abschied nehmen kann, das kenne ich aus dem Dorf nicht.

Der Samstagseinkauf findet nun in Begleitung statt, was der Angelegenheit eine unnötige Hektik beschert. Herr croco, sehr dynamisch und effizient, schiebt den Wagen nach optimierter Route durch den Markt. Es gelingt ihm recht schnell, mich abzuhängen und so suche ich, vollbepackt mit Jogurt, Mehl und Eiern, die Gänge ab nach dem Familienwagen. Seiner Meinung nach genügt es, genug Lebenwurst, Gummibärchen und Salzstangen im Haus zu haben um ein Überleben zu sichern. Alles andere sei doch von geringer Bedeutung.

Gegen den beim Einkaufen erworbenen Hunger gibt es Pilzrisotto, Steak und einen Salat mit Fenchel und Orangen. Seit einer Weile habe ich ein Rezept für saftigen Zitronenkuchen. Genau so heißt er. Die Teigmenge erscheint mir etwas gering, aber Eier und Backpulver werden es schon richten. Nun, es soll auch Zitronensaft in den Teig. Ob das nicht zu sauer ist und Eier und Backpulver bremsen? Nun, Anleitungen sind zu befolgen. Das was dann aus dem Ofen kommt, ist reichlich flach. Ich bohre noch Löcher rein, um Zitronensaft mit Zucker zu versenken. Das ist also mit saftig gemeint. Kurz und gut, der Kuchen ist hübsch, aber um einiges breiter als hoch. Man könnte ihm einen Deckel verpassen, und das mache ich auch. Quark mit Gelatine anrühren und Sahne drunter, eine Dose Aprikosen klein machen und Pistazien drüber, fertig ist das Werk. Nun, Besuch war nicht angesagt, ich werde einfrieren müssen.

Es wird noch gewaschen und gebügelt und es gibt etwas Brot und Käse zu Abend. Um zehn klingelt es dann überraschend. Freunde, Rückkehrer von einer Familienfeier aus dem Süden, bringen Brezeln und brauchen noch etwas Aussprache und Alkohol. Torte und Pfälzer Rosé passen dann doch vorzüglich zusammen. Der Zitronenboden wird auf das heftigeste gelobt, der Quarkdeckel auch. Nein, der Kuchen hat keinen Namen.

Der Sonntag dann ist in der Summe ereignislos. Käsespätzle und Torte lähmen so, dass die Couch kaum verlassen wird. Die Liste der Neujahrstelefonate wird abgearbeitet, bevor der Februar beginnt. Vier Mal eine Stunde das Leben der anderen, mit all den Kämpfen und Freuden. Vorbereitungen für den montäglichen Unterricht folgen. Es wird gelesen und auf der Festplatte ruht noch „Beast of the Southern Wild“, ein ganz bezaubernder Film mit einem unglaublich intensiv spielenden kleinen Mädchen. Ein schöner Abschluss, das war’s. Lazy sunday.

 

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5 Gedanken zu “Wochenende, ein bißchen faul

  1. Wenn hier „gemeinsam“ im großen Supermarkt eingekauft wird, dann hat Monsieur den Wagen und ich ziehe (in der Zwischenzeit) einen kleinen Plastikkorb ohne Chip hinter mir her. Monsieur kauft Getränke (Rosé) und wahlweise Chips, eine luftgetrocknete Salami oder Radieschen, ich den Rest und wir treffen uns am Obst und Gemüsestand und dort wird auf den jeweils anderen gewartet!!! (Das musste ich ihm erst beibringen, anfangs fand ich ihn immer schon hinter der Kasse: Stolz rief er „Erster!“ und „Fertig!“ ) Am Gemüsestand verteile ich noch ein, zwei andere, „leichte“ Einkaufsaufgaben (Zucker, Nudeln, Katzenstreu) und dann treffen wir uns an der Kasse. Ich gebe zu, wenn wir gemeinsam einkaufen, ist es recht effizient.

    • Das klingt tatsächlich eingespielt und effizient. Dass er schon in der Kassenreihe steht und „besetzt“, wenn ich noch hinten bei der Wurst stehe, kommt schon mal vor. Vermutlich interessieren ihn nur Dinge, die Wettbewerbscharakter haben.

  2. Naja „eingepielt“ – man hört das verzweifelt ironische nicht so, fürchte ich. Es ist für mich eine stressige Rennerei – und/aber es wird wirklich nur das eingekauft, was auf dem Zettel steht, Monsieur hat keinen Sinn für herumschweifend-inspirierendes „was gibts denn noch Schönes?“ Effizient eben.

  3. Ach, herrlich. Jetzt, wo ich doch den Herrn croco mal erleben durfte, kann ich mir das Einkaufsszenario in Stereo und in Farbe…. andererseits kenne ich das vom Wochenende selber. Da schreibe ich mir gerne einen Einkaufszettel zur Sicherheit 😉
    Sehr späte, liebe Februargrüße
    Angela

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