Da war ich VII

Zwei Inseln gehören noch zu Malta, Gozo und Comino. Die erstere ist ziemlich schutzlos, ein kleines Fort, das war es. So waren die Überfälle zahlreich, und Reichtum sieht anders aus. Gozo hat ein paar Felder und war früher der Garten Maltas, doch heute wird aus Sizilien geliefert, um einiges billiger. Dann gibt eine Steinzeitsiedlung und den Bogen
, das blaue Fenster. Auf jedem Maltareiseführer drohnt er. Nun, bis zum 8. März, da stürzte er ein. Die Busse fahren immer noch hin, die Stände mit den Souvenir stehen immer noch da. Die Leute steigen aus, gehen da hin wo das Tor war, gucken in die Luft, dahin wo der Bogen war, und steigen wieder ein, ratlos. Lange wird das nicht mehr so gehen.
Auf Comino krabbelt man vom Boot über eine Felsentreppe zum Kiosk. Dort kauft sich fast jeder eine ausgehöhlte Ananas mit Fruchtfüllung und geht zum Fotopoint, um sich zu selfien, also ein Foto von sich und der Ananas zu machen. Der Hintergrund wird von der blauen Lagune geliefert. So sollte man denken, juhu, die sind in der Karibik. Aber Pustekuchen! Das Wasser ist eiskalt, Mittelmeer im April eben. Trotzdem ziehen die Leute Bikini und Badehose an, rin ins Wasser, Foto, sofort wieder raus. Da möchte man nie wieder jung sein.
Auf der Rückfahrt zeigt das Captain noch, wie weit man mit einem Boot in eine Höhle fahren kann ohne dass es kracht.
Hat geklappt!

Blaue Lagune

Ehemaliges blaues Fenster

Höhlenfahrt

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Da war ich VI

Wissen Sie, was man unter Inselverzwergung versteht? Nein, es sind keine Inseln gemeint, die immer kleiner werden, sondern ein biologisches Phänomen.
Werden Populationen von Tieren von der Stammpopulation abgedrängt, auf eine Insel zum Beispiel, und haben keinen Kontakt mehr zur Ursprungspopulation, verzwergen sie, werden also von Generation zu Generation immer kleiner. So kommt es, dass es auf einigen Mittelmeerinseln kleine Elefanten gab, die einen Meter hoch waren, also im erwachsenen Zustand. Niedlich, was? So ein Elefäntchen im Garten, das wär doch was.
Auf Malta gab es nun einen kleinen Zwergelefanten und einen sehr kleinen. Und es gab ein kleines Flußpferd und ein sehr kleines.
Und ihre Knochen hat man ein der Dalam-Höhle gefunden, die man sich heute noch anschauen kann. In drüberliegenden Museum kann man die Skelette der Zwergtiere bewundern. Ansonsten ist das ein Museum, das bisher nur im Ansatz Kontakt zur modernen Museumsdidaktik hatte. Es wird schon was erklärt auf Tafeln, aber dann trifft man auf die totale Sammelwut, den absoluten Knochenoverkill. Knochen an Knochen an Knochen sind in Vitrinen fein säuberlich aneinandergereiht. Nun, ein sehr skurriles Beinhaus ist das.
Dafür ist die Höhle netter. Am Eingang wird vor den Wildbienen gewarnt. Ja, genau, sie haben sich im Lehm kleine Eingänge gegraben. Ein Steg führt über die Ausgrabungsstätte. Freundlicherweise hat man an die nachkommenden Generationen gedacht und die Schichten teilweise stehen lassen. Man sieht in der untersten, dort wo Flusspferd und Elefant gefunden wurden, und in allen folgenden Knochenfragmente rausragen. Mich juckt es da ja immer weiter zu buddeln.
Nun, irgend jemand wird es tun.
Wie es zur Verzwergung kommt? Nun, Nahrungsknappheit, Inzucht, Reviergrösse, alles spielt eine Rolle. Es gibt übrigens auch einen Inselgigantismus. Kleine Tiere werden, wenn sie auf abgeschlossene Inseln gelangen, immer größer. So vermutet man, dass bei schlechten Lebensbedingungen mit der Zeit die optimale Säugetiergröße von 1 kg angestrebt wird.
Nun ist aber genug mit Biologie.
Ach nö, doch nicht. Die Rote Mittagsblume muss ich Ihnen noch ans Herz legen. Sie kommt aus Südafrika und macht sich im Mittelmeerbereich breit. Sie verdrängt die einheimischen Pflanzen, weil sie mehr Samen bildet als andere und unglaublich schnell wächst. Sie betreibt nämlich einen Teil ihrer Photosynthese nachts, was ihr einen unglaublichen Vorteil verschafft.

Inselverzwergung

Dalam Höhle und Museum

Mittagsblume


 

 

 

 

 

Da war ich V

Das Zentrum aller dicken Göttinnen liegt mitten auf der Insel Malta. Sie haben dicke Beine, einen dicken Po und ganz viel Bauch. Und es gibt sie in mehrfacher Ausfertigung. Mittlerweile wohnen sie im Museum in Valletta, ursprünglich haben sie tausende von Jahren unter einem Acker verbracht. Einen Kopf brauchte ich nicht zu fotographieren, sie haben nämlich keinen. Eine hat eine Vorrichtung zum Kopfwechsel, alle anderen einfach nur nichts.
Nun, man muss nicht alles verstehen.
Die Tempelanlage sieht schon aus wie lauter Frauenpopos aneinadergereiht. Das Zentrum des Matriarchates? Fruchtbarkeitsgöttinen in Überdosis? Klein sind sie nicht, fast ein halber Meter Frau total. Und das mit den Werkzeugen von vor über 5000 Jahren, Flintsteine und Kupfer.
Man konnte wohl Steine schon so behauen, dass sie ohne ein Lüftchen direkt aufeinander passen.
Der Bus fährt direkt nach Tarxien, der Ort heißt Paola, man muss nur ein bißchen rumsuchen, etwas Bevölkerung befragen, dann findet man den Eingang. Es sind kaum Leute da, eigentlich wie im Museum, also ganz anders als der Rummel auf Vallettas Strassen. Auf Stegen wandert man zwischen den Mauern herum und wird immer ehrfüchtiger. Was für eine Leistung! Menschenhohe Steinbrocken stehen passgenau nebeneinander. Diese Schneckenschnirkel fndet man an mehreren Stellen in der Tempelanlage, ein bißchen sieht es nach Newgrange aus, der ebenfalls jungsteinzeitlichen Tempelanlage nördlich von Dublin. Da ist sie wieder , die Achse Dublin-Malta.

In der Nähe, also fast um die Ecke, liegt das Hypogeum, eine unterirdische Grabanlage, ebenfalls steinzeitlich. Zur Zeit ist es wegen Renovierung geschlossen, am 15. Mai soll die Ruhe dann vorbei sein. Nun, Ruhe hatten die alten Höhlen schon vorher, pro Stunden durften 15 Personen rein. Wie man ohne Nahkampf an die Karten kommt, weiß ich allerdings auch nicht.

Tempel von Tarxien

Archäologisches Museum

Hypogeum