Linkerei

Was haben die Frauen gemacht, während die Männer sich haben zusammenstauchen lassen von einem, der das nicht darf? Sie waren in den Königlichen Gewächshäusern in Brüssel. Übrigens ein zauberhafter Ort für alle, die Pflanzen lieben.

Frau Kaltmamsell wird öfter gefragt, wo sie denn herkomme. Ihr Nachname bringt die Leute auf die Idee. Meiner übrigens auch. Im letzten Jahr hatte ich mich auch schon damit beschäftigt. Und ich habe mir überlegt, wie ich denn mit den Kindern umgehe, die anders heißen. Eine neue Klasse mit schwierigen Namen sitzt vor mir und ich will schnell lernen, wer wer ist, und alle Namen korrekt aussprechen. Ich bitte die Kinder, mir den Namen laut zu sagen, damit ich den Klang im Ohr habe, und dann spreche ich so oft nach, bis sie lãcheln und alles passt. Anschließend frage ich, was der Namen bedeutet. Manchmal ist es Hoffnung oder Sonnenschein, oder sie wissen es einfach nicht. Und manchmal nenne sie auch die Sprache, Litauisch, Georgisch, Persisch. Den Rest werden sie mir irgendwann erzählen, oder auch nicht. Hier der Artikel aus der ZEIT dazu.

Suschna berichtet über ein besonderes Museum, eines der größten Industriemuseen Europas, einer Wollweberei und Kammgarnspinnerei.

Und wenn Sie etwas Muße haben, folgen Sie doch derTravelling Lady. Sie reist ein Jahr lang um die Welt und war gerade in Chile. Hier schreibt sie über die „Deutsche Zeitung für Südchile“, El Condor.

Und er berührt mich, immer wieder.

Advertisements

Blutige Bryga

Oh nein, bitte nicht die Blutige Bryga.
Als ich es merke, ist es zu spät. Der Laden ist rappelvoll, alle wollen noch einkaufen vor dem Feiertag. Fünf Kassen und fünf lange Schlangen. Ich nehme die mit den Leuten, die recht wenig im Wagen haben. Und freue mich, dass es zügig voran geht. Dann sehe ich Land, noch drei Leute vor mir. Ich schau mir die ausgelegten Kekse, die Kondome und das Rasierzeugs an. Merkwürdige Kombination. Die Herrschaften mit den paar Teilen im Wagen zahlen nun der Reihe nach mit Karte, umständlich und mit Unterschrift. Seltsam, ich höre nichts. Niemand spricht. Es knurrt nur. Jetzt erst sehe ich es: Bryga sitzt an der Kasse. Zusammengezogene Augenbrauen, die Mundwinkel nach unten und ein Blick, der zum Herzschlag führt. Ein Monolith. Es wird einem sofort kalt zwischen Herz und Magen. Und sie ist bereit zu töten, jeden Tag. Man fühlt es, man sieht es.
Sprechen will sie nicht, kein Guten Tag, kein Auf Wiedersehen. Nur Augenblitze und Knurren, damit beherrscht sie den Kassenraum. Ich staple mein Gemüsezeugs, den Jogurt und das Grillfleisch auf das Laufband. Verächtlich schiebt sie Teil um Teil am Scanner vorbei. Ich wage es und bitte, mir den Preis für den Käse zu sagen. Er war nicht ausgezeichnet. Sie knurrt und macht es nicht. Ich beuge mich über den Tresen und schaue selbst auf den Bildschirm. Dreineunundneunzig geht in Ordnung. Sie nuschelt den Gesamtbetrag, ich verstehe ihn nicht, und beuge mich wieder über den Bildschirm. Der grüne Hunderter beeindruckt sie ein wenig, zumindest zuckt sie. Und reicht mir das Rückgeld direkt in die Hand, fast liebevoll. Ich verabschiede mich freundlich Und wünsche ihr noch einen guten Abend und einen erholsamen Feiertag. Sie schaut aber weiterhin mürrisch, knurrt etwas und wendet sich dem nächsten Kunden zu. Dieser schaut aber mich an und lächelt so freundlich und gewinnend, dass es mir warm ums Herz wird. Ich lächle zurück: wir beide, die an Bryga abgeprallt sind, lassen uns die Freundlichkeit nicht nehmen.

WmDedgT 05/17

Was ich eigentlich so den ganzen Tag mache, möchte Frau Brüllen wissen. Nun.

Bin sehr früh aufgestanden, da der Mann schon geschäftliche Telefonate führte, und dann früh gehen musste. So habe ich nach dem Frühstück noch Zeit Nägel zu lackieren. Nach dem letzten Desaster, der neue Lack verlief sich überall hin, benutze ich jetzt nur farblosen. Es reicht noch für eine Ladung in die Waschmachine und dann ab zur Schule. Dort läuft alles genau getaktet ab. Diese Abläufe habe ich drin. Wann kann ich in welcher Fünfminutenlücke was erledigen? ist mein Berufsmantra. Erschwert wird das dadurch, dass ich in drei verschiedenen Gebäuden arbeite. So ist alles ein Gerenne gegen Menschenströme, die genau diese fünf Minuten ebenfalls zum Raumwechsel oder für Sekretariatsgänge nutzen. Dann ist jeder Unterrichtsraum mit aller nötigen Technik ausgerüstet, Beamer, Smartboard, Dokumentenkamera. Das ist sehr schön, doch sind die Geräte zu unterschiedlichen Zeitpunkten angeschafft worden. Ist so in Schulen, weil die Geldzuwendungen der Kreisverwaltung unterschiedlich ausfallen. So ist bei einem Gerät der Anschaltknopf da, beim anderen dort. Einmal muss ich auf den Stuhl steigen, ein andermal muss ich zuerst zum Sicherungskasten, bis das Equipment läuft. Währenddessen stehen die ersten Schüler am Pult, und teilen Wichtiges mit. Sie haben einen Käfer gefunden, und ich möge ihnen bitte sagen, wie er heißt. Die Oma ist krank, und das hätte alle so aufgeregt, dass er unmöglich Hausaufgaben machen konnte.
Nun, der Vormittag wird unterbrochen durch einen Gang zur Wiese. Durch Regen lange verhindert, ist es nun soweit. Da ich vorher Pausenaufsicht habe, holen Schüler die Bestimmungsbücher aus der Bücherei. Beim Abmarsch fehlen zwei, einer ist auf dem Klo, der andere beim Zahnarzt. Sie finden sich unterwegs ein. Die Anweisungen gab es vorher an der Tafel, die Arbeitsblätter ebenfalls. Jetzt ist der gute Blick gefragt. Sie stürmen wie lang eingesperrte Fohlen auf die Wiese. Korbblütler? Schmetterlingsblütler? Hahnenfußgewächs?
Nein, Butterblume ist kein botanischer Name. Jetzt haben alle nasse Füße, trotz „Bitte nur am Wegesrand.“ Sogar die Klassenchaoten haben drei Blüten gefunden und richtig bestimmt. Sie wirken alle sehr zufrieden mit sich. Und eine sagt, dass sie noch nie so glücklich gewesen sei wie heute.
Kurz denke ich, wir bleiben einfach. Aber nun, es muss weiter gehen. Im Folgenden versuche ich noch, ein Smartboard von der Wand zu reißen, man kann es leider nicht hoch schieben, und ich stehe wieder auf dem Stuhl, dann ist der Unterricht vorbei. Zuhause mache ich noch etwas Himbeerquark zum Nachtisch, der Mann bringt das Essen mit. Er geht wieder arbeiten und ich liege mit wachsendem Bauchweh auf der Couch und lese im Internet. Es wird so schlimm, dass ich was unternehmen muss. In letzter Zeit hab ich Milchprodukte in kleinen Mengen gut vertragen, das scheint vorbei zu sein. Nach Laktasetabletten ist der Spuk vorbei und ich kann doch ins Sportstudio. Ausdauer und Krafttraining in Maßen schaffe ich zur Zeit gut zwei Mal die Woche. Heute ist wieder Kraftprotztag. Junge Männer mit knappen Trägershirts und Imponiergehabe rocken den Laden. Der Geruch nach Testosteron und Schweiß nimmt mir fast die Luft. Da sind mit meine Rentnertruppen mit ihren Tratschclubs und Gerätebesetzereien fast lieber.
Nun, die Welt ist ja nicht so eingerichtet, dass sie mir gefallen muss.
Zuhause wird geduscht und zu Abend gegessen. Ich lese die Zeitung, die immer langweiliger wird, seit der Chefredakteur geschasst wurde. Dann gibt es noch die NDR Talkshow, sehr witzig dieses Mal die Kelly Family, und dann Bett.