Ein Bauer geht

Es ist ein gutes Wetter um einen Bauern zu begraben. Der kleine Friedhof ist umgeben von einer flachen grünen Hecke, die aber den Blick frei gibt über die Felder. Jetzt gerade streichelt der Wind über das Getreide als ob er eine große Hand hätte. Im Halbrund steht das Dorf um den Sarg. Sechs Männer in schwarzen Anzügen und weißen Handschuhen stehen da, sie werden ihn nachher tragen. Eine Ehre ist das und sie sind die Nachbarn. Stühle stehen für die, die nicht stehen können. Kerzen hat man aufgestellt und einen Briefkasten für die Kondolenzkarten. Lauter weiße Blumen hat er bekommen von Kindern und Enkeln. Nachher kann man auswählen, ob man nach einem kurzen Gebet Sand hinab streut oder ob man in der Korb mit Blütenblättern greift. Früher hatte er einen großen Hof dort wo es wärmer war, herzlicher. Jetzt bei der Tochter war nur noch ein Foto an der Wand davon übrig geblieben. Er dachte immer noch in Jahreszeiten, in Saat und Ernte. Und er wartete auf Regen und darauf, dass etwas keimte. Er lebte mit den Pflanzen und den Tieren. Und nun sieht es aus, als ob sich alle nochmals von ihm verabschiedeten. Der Wind kommt auf und schüttelt die Friedhofsbäume, die Vögel singen ein letztes Lied. Und die Enkel weinen herzzerreißend. Ob er ein guter Vater war, wird noch ausdiskutiert, aber ein guter Großvater war er.
Der Wind zerzaust die Haare der Pfarrerin und die Lilien auf den Kränzen biegt er durch. Er wuscht durch das Getreide, so dass die Halme ganz flach und dunkelgrün erscheinen. Er nimmt auch die Worte der Trauer und des Gebetes mit und verschluckt sie. Verlegen stehen alle rum, es hatte sich das Gerücht breit gemacht, man wolle nicht, dass man kondoliert. Und dann fängt doch eine an und alle sind erleichtert. Umarmung oder Händedruck, manchmal nur ein stilles Nicken, jeder so, wie ihm ist.
Man sammelt sich noch und spricht, wer mit wem fährt. Die einen gehen zu Fuß über die Felder, die anderen fahren und sammeln die noch ein, die mitgenommen werden wollen. Es gibt Kuchen, wie immer, und Schnittchen, wie immer. Im selben Saal, wie immer. Langsam zeigt man sich ein bißchen erleichtert , die Pflege war lang und schwer. Manches war eine Qual für alle, im Nebensatz erwähnt. Bald wird er fehlen, an seine lustigen Sprüche und das übermütige Zwinkern wird man sich erinnern. Und die Schwere des Endes langsam vergessen. Ob noch ein Urenkel nach ihm benannt wird? Wer weiß. Jedenfalls wird man ihn noch eine Weile besuchen auf dem Friedhof und ihm einen Strauß bringen, mit Wiesenblumen und Ähren vielleicht.

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WmDedgT 06/17

Frau Brüllen möchte wissen, was wir so den ganzen Tag tun.
Es ist ein geschenkter Sonntag, dieser Montag. Und ich bin so müde. Den Wecker habe ich auf neun gestellt. Herr croco ist seit acht im Haus unterwegs und kommt ab und an vorbei um mir zu sagen, dass er mit mir frühstücken will.
Er zieht die Vorhänge weg und öffnet die Fenster. Ich rolle mich ein und schlafe weiter. Bis es fast zehn Uhr ist, dann habe ich genug. Ich muss arbeiten, ja, korrigieren. Bißchen kühl ist es draußen, und windy, so dass wir in der Küche frühstücken.
Ich ess nie viel in der Frühe, und bin sehr maulfaul, so dass ein Frühstück mit mir nie ein gesellschaftliches Ereignis werden wird. Heute wird es bemängelt, man sucht das Gepräch. Leider wird nichts drauß. Ich setze mich dann an den Schreibtisch und fange an mit den Arbeiten. Nein, ein Diaphragma ist kein chemisches Verhütungsmittel. Nein, eine Minipille muss man nicht direkt nach dem Geschlechtsverkehr einnehmen. Da hast Du was verwechselt, junge Frau. Dazwischen muss ich ein bißchen im Internet gucken, damit ich nicht verrückt werde. Mich stressen Korrekturen ungemein. Einen halben Punkt dafür oder eher keinen? Die Frage ist ganz anders beantwortet worden, geht aber auch so. Volle Punktzahl oder Abzug wegen Nichtdurchlesens der Frage? Ich hasse das. Und die Korrekturen müssen einem Vergleich Stand halten. Wenn ich jetzt für etwas einen Punkt gebe, muss ich zehn Arbeiten weiter genau den selben Punkt geben, sonst ist morgen Polen offen. So, um eins habe ich genug. Im muss Kuchen kaufen gehen, es kommt Besuch und für die Backerei habe ich keine Zeit mehr. Sahnetorte dauert und ich habe Lust auf Sahnetorte. Der Mann kommt mit, er muss noch was im Geschäft holen. In der Konditorei suche ich Erdbeertorte und Schwarzwälder Kirsch aus und wünsche einen schönen Sonntag. Sie haben Kleingeldmangel und ich lasse mein ganze Centsammlung da. Ich habe immer Strandgut im Geldbeutel. Immer will Kleingeld zu mir.
Zuhause gibt es dann einen Obstteller zu Mittag und einen Platz an der Sonne. Ich lese noch ein bißchen und schlafe noch ein bißchen und schon ist der Besuch da.
Die Freundin mit ihren zwei kleinen, äußerst niedlichen Kindern trifft ein und wir reden, trinken Kaffee und essen Torte. Ich freue mich an ihren Geschichten, sie hat einen äußerst pragmatischen und analytischen Blick auf die Welt, den ich sehr liebe, und ich erzähle ihr meine Geschichten. Ich kenne ihre Familie und ihren Bekanntenkreis schon seit so vielen Jahren, und sie meinen. Dazwischen wuselt das Baby und rennt das Kleine und wollen beschäftig und bepustet werden. Kurzum, es ist äußerst unterhaltsam und sehr kurzweilig. Im Garten gibt es Blumen zum Riechen und im Teich schwimmt ein Krokodil, was will man mehr. Plötzlich ist es Abend, der Tischgrill wird nach draußen geschleppt und es gibt Schnitzel, Brot und Salat. Wir erzählen weiter, während noch eine Runde gewickelt und eine Portion Brei verfüttert wird. Sie fahren winkend ab, ich schreibe noch schnell alles auf, bevor ich mich wieder an Minipille und Diaphragma mache.

Twitterlieblinge im Mai

Ein verrückter Monat. Geburtstage, viel Rumgefahre, Treffen mit Menschen von früher, eine unerträgliche Hitze und viel Gießen. Dazu kam noch der unleidliche Herr Trump und zum Ausgleich Herr Macron mit all den unerfreulichen Treffen. Langsam ist das alles nicht mehr lustig.
Nun, die Tweets sollen es sein, dieses Mal kommen sie wieder tierisch daher.
Wer noch mehr lesen will, kann bei Anne schauen.

https://twitter.com/adora_belle/status/862273022987829248