Pórtico

Die schlimme Nachricht zuerst: der Pórtico de la Gloria ist verpackt.

Man kann die Kathedrale also nicht über den Haupteingang über diese Pforte betreten. Und sie war einer der Gründe, warum ich nochmals nach Santiago wollte. Vor ein paar Jahren war ich zwar dort, aber ziemlich krank. So freute ich mich sehr und war entsprechend enttäuscht. Der Grund für mein Interesse war ein Buch von Manuel Rivas, eines galizischen Schriftstellers, der als einer der ersten über die Zeit Francos, leider auch eines Gallegos, berichtet: Der Bleistift des Zimmermanns
El lapiz der carpintero

Das Buch habe ich mir nun auf Spanisch gekauft. Mal sehen, ob meine Kenntnisse ausreichen. Jedenfalls gibt es das Gefängnis auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes noch. Und es gibt noch andere Portale, die ihren eigenen Charme haben. Den Pórtico de la Gloria kann man übrigens doch sehen. Wenn man nämlich die Dachführung gebucht hat, muss man an den Handwerkern vorbei, die gerade die neuen Teile einsetzen. Gucken darf man, aber fotographieren ist streng verboten. Was sehr sehr schade ist. Jedenfalls habe ich so meinen Pórtico doch noch gesehen, von schräg hinten.

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Santiago de Compostela

Fangen wir mal mit dem Ziel der Pilgerreise an. Irgendwie finde ich es amüsant, gleich dort zu landen, wo andere erst mit Strapazen und Blasen nach langer Wanderung ankommen. Ich gebe zu, es gab Zeiten, in denen ich den Jakobsweg gerne gegangen wäre. Also bevor er Mode wurde und vor Hape Kerkeling. Immerhin gibt es Ablass der Sünden, wenn man durchmaschiert, und ne Urkunde. Früher soll es Zwangspilger gegeben haben. Man wurde auf den Weg geschickt, wenn man ein Verbrechen begangen hatte. Nun haben nicht alle Wanderer einen umgebracht, so denke ich, dass sie eben das Erlebnis des Gehens in Gruppen plus Urkunde schätzen. Nun habe ich schon Leute gesehen, die im Parkhaus den Rucksack rauswuchten und strack zum Pilgerbüro wandern um sich dort den Stempel zu holen.
Nun, worum geht es wirklich? Spanien war lange von den Mauren, also den Arabern, besetzt. Der schmale grüne Streifen im Norden haben sie nicht gewollt, sagen die Araber, und haben sie nicht erobern können, sagen die Spanier. In der Zeit fand man die Knochen des Apostels Jakobus, Sant Jago auf Spanisch, der in Spanien missioniert haben soll. Nun, der Belege sind wenige, der Glauben erledigt die Hauptarbeit. Jedenfalls wird der Apostel auf einem Pferd dargestellt wie er gerade einen Mauren unter sich tötet. Matamoro, der Maurentöter, da er in einer entscheidenden Schlacht eingegriffen haben soll. Compostella lässt sich auf Campus stellae zurück führen, einen römischen Friedhof. Dass man da Knochen findet, ist nun doch nicht so unwahrscheinlich. Jedenfalls wurde die Pilgerei als christliche Demonstration gegen den Islam der Mauren gesehen. Ob sich die Wanderer heute dieser Geschichte bewusst sind?

Darum geht es auch. In erster Linie ist die Stadt damit beschäftigt, die täglich eintreffenden Pilgermassen zu bewältigen. Und sie strömen unaufhörlich, brauchen Unterkunft und Essen. Aber zuerst liegen die müden Pilger auf dem großen Platz und schauen zur Kathedrale hoch. Leider ist sie gerade verpackt und doch geht eine große Fazination von ihr aus. Einerseits ist es die Architektur, andererseits die Professionalität der Pilgerverwaltung. Fast stündlich finden Gottesdienste in verschiedenen Sprachen statt, um 12 Uhr ist die große Pilgermesse. Die Namen der neu eingetroffenen Pilger werden laut vorgelesen, Tag für Tag. Vor der Kathedrale bilden sich lange Schlangen. Wenn man über den Shop geht, gibt es hinten eine Tür, durch die man direkt hinein kann. Allerdings wird sie bewacht. Wenn jetzt zufällig ein Kunde eine Frage an die Dame hat und sie dann abgelenkt ist, und zufällig gerade Leute aus der Kirche in den Shop kommen, kann man schnell hineinflitschen.

Im Museum direkt unter dem Haupteingang steigt man Treppe um Treppe in der vorderen Front der Kathedrale hoch. Will man auf’s Dach, so kann man eine Führung buchen. Allerdings sollte man schwindelfrei sein, es geht sehr tief runter. Die Aussicht allerdings ist beeindruckend.

Nicht vergessen sollte man die Umarmung der goldenen Apostelstatue. Das macht übrigens jeder , der hier ankommt.

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Braune Schilder

Spanien hat jetzt auch braune Schilder. Das sind diejenigen, die auf was hinzeigen, das unbedingt besichtigt werden muss. Das Geburtshaus von Georg Büchner zum Beispiel, oder die Kaiserpfalz. Nun gibt es in Galicien auch Dichter, von denen noch die Rede sein wird, und Monumente historische Bedeutung.
Ein Problem ist, dass Galicier Galicisch sprechen ( Vorsicht: Galizien mit Z ist ganz woanders, nämlich bei Böhmen). Sie sprechen es nicht nur, sie schreiben es auch. Und daran kann man manchmal verzweifeln. Es ist wie bei den Iren, die momentan den Gälischrappel haben.
Nun, eines dieser braunen Schilder am Rande eines Stausees an der portugiesischen Grenze führte zu römischen Bädern. Im Reiseführer stand nicht davon, in der Karte auch nicht und wir waren eigentlich auf der Suche nach einer Kirche aus dem 7. Jahrhundert. Unterhalb einer schmalen Straße gab es eine Bucht, die am Ufer mehrere gemauerte, flache Wannen hatte. Und Leute lagen drin. Ein kurzer Test ergab, dass das Wasser mindesten 40 Grad heiß war, die Luft hatte 30. Unwahrscheinlich, ein Bad ohne Kreislaufprobleme auszuhalten. So ließen wir es. Das nächste braune Schild kam an der nächsten Kurve. Römisches Soldatenlager. Huiiiii! Und was für eines: das größte ganz Spaniens. Und man konnte von da aus auf die Therme gucken. Das war also das Soldatenbad gewesen. Nur warum wurden beide nirgends erwähnt? Zuhause klärte es sich dann, als ich genug Datenvolumen und Zeit hatte. Der Stausee entstand unter Franco, übrigens auch einem Galicier. Ausgegraben wurde alles in den 1920ern. Später galt Kultur wenig und alles wurde geflutet. Erst 2014 ließ man so viel Wasser raus, dass das Lager und die Thermen wieder frische Luft bekamen.

Wer nachlesen mag: Hier ( Keine Angst, es ist auf Englisch)

Nachtrag: Leider ist es mir nicht gelungen, mir nur einen Satz auf Galicisch zu merken. Das sagt viel aus über meine Sprachbegabung, die aus Intuition und viel Gefuchtel besteht.Galicische Sprache