Twitterlieblinge im Juni

Die Lieblinge kommen etwas verspätet. Aber ich musste Kuchen essen und rumreisen, mich kümmern und feiern. Ein Abirevival war auch dabei. Hier bestätigte sich die alte Regel: Männer werden grau, Frauen werden rot oder blond.

An der Menge der Tweets merken Sie, dass ich viel zu korrigieren hatte und mich dringend ablenken musste.

Here we go.

Die Tweets der anderen findet man bei Anne

WmDedgT 7/17

Frau Brüllen möchte wissen, was wir so den ganzen Tag machen.

Zur Zeit weckt mich Freddy Mercury. Heute morgen macht er das um 8 Uhr, allerdings zu Hause bei Muttern im Kinderzimmer. Nun ja, ich bin eben ein altes Kind. Auf der Rückfahrt von der Süddeutschlandtour wegen Geburtstag und Abitreffen machen wir nochmals einen Stop, bevor es wieder ins Rheinland geht.
Die Mutter hat schon Frühstück gemacht, Obstsalat, Müsli und Orangensaft. Sie war ziemlich krank, dann in der Reha und hat sich jetzt ziemlich gut erholt. Beim Gespräch stellt sich allerdings heraus, dass an eine sofortige Abfahrt nicht zu denken ist. Einiges muss erledigt werden, eigentlich die Aufgabe der Verwandtschaft, der Marathon beginnt. So wird wegen des fehlenden Sparbuchs Auskunft eingeholt. Wir können gleich kommen. Die Krankenkasse wird benachrichtigt, dass die Hausärztin eine Pflegestufe befürwortet. Sie schicken Unterlagen und den medizinischen Dienst. Die Diakonie schickt eine Schwester vorbei und der Notar bekundet, dass bei ihm Dokumente hinterlegt sind. Dann klingelt der Mann mit dem Rollator. Den vorher gelieferten packt er wieder ein und stellt das schicke Turbomodell vor, mit Stockhalter und Sitzgelegenheit. Leute, habt keine Angst davor. Das Ding ist geil! Dann wird die Mama eingepackt und wir fahren in die Stadt. Die Bank sperrt das fehlende Sparbuch und bucht das Geld auf das Girokonto. Uff! Früher hätte man es abschreiben können. Alle weiteren Aktionen scheitern am abgelaufenen Ausweis.
Also auf zum Rathaus. Den einzig freien Parkplatz davor haben nun wir. Das Bürgerbüro hat geöffnet und einen Ausweis können wir auch beantragen. Leider fehlt ein Foto. Die Fotografin gegenüber hat Zeit und leuchtet aus. Ojee, Königin Elisabeth war nicht beim Friseur und sieht auch sonst ziemlich fertig aus. Das Foto werde ich immer vorgehalten bekommen. Nun, ich toupiere und male an was geht. Die alte Schönheit kann ich allerdings nicht wieder herstellen. Nachher guckt sie ganz traurig, als sie das Foto sieht, sagt aber nichts. Zurück zum Rathaus, wird der Antrag ausgefüllt. Sie kennt natürlich die Damen des Bürgerbüros von früher, erzählt, welch schönes Kleinkind sie gewesen waren und lässt die Mütter grüßen. Danach sind wir fertig und fahren heim. Gulasch wird aufgewärmt, und die übliche Riesenportion Spätzle hingestellt. Tomatensalat und danach Eis, das war es. Unsere Koffer müssen noch ins Auto gebracht werden. Dann aber geht es Richtung Norden. Um zwei geht es los, die nächsten drei Stunden hangeln wir uns von Stau zu Stau, die letzten zwei Stunden verlaufen friedlich. Die Nachbarin hat auf das Haus aufgepasst und bekommt jetzt Brezeln und Schokolade. Dann kommen wir in ein kühles Haus, hören den Anrufbeantworter ab, inspizieren die Post, gratulieren noch schnell zum Geburtstag und zum Abitur, und sagen der Putzfrau ab. Morgen muss ich ausschlafen. Brezeln, Trauben und Käse, Sherry für den Herrn, das ist das Abendessen. Dann lege ich mich aufs Sofa und fasse den Tag zusammen.

Ein Bauer geht

Es ist ein gutes Wetter um einen Bauern zu begraben. Der kleine Friedhof ist umgeben von einer flachen grünen Hecke, die aber den Blick frei gibt über die Felder. Jetzt gerade streichelt der Wind über das Getreide als ob er eine große Hand hätte. Im Halbrund steht das Dorf um den Sarg. Sechs Männer in schwarzen Anzügen und weißen Handschuhen stehen da, sie werden ihn nachher tragen. Eine Ehre ist das und sie sind die Nachbarn. Stühle stehen für die, die nicht stehen können. Kerzen hat man aufgestellt und einen Briefkasten für die Kondolenzkarten. Lauter weiße Blumen hat er bekommen von Kindern und Enkeln. Nachher kann man auswählen, ob man nach einem kurzen Gebet Sand hinab streut oder ob man in der Korb mit Blütenblättern greift. Früher hatte er einen großen Hof dort wo es wärmer war, herzlicher. Jetzt bei der Tochter war nur noch ein Foto an der Wand davon übrig geblieben. Er dachte immer noch in Jahreszeiten, in Saat und Ernte. Und er wartete auf Regen und darauf, dass etwas keimte. Er lebte mit den Pflanzen und den Tieren. Und nun sieht es aus, als ob sich alle nochmals von ihm verabschiedeten. Der Wind kommt auf und schüttelt die Friedhofsbäume, die Vögel singen ein letztes Lied. Und die Enkel weinen herzzerreißend. Ob er ein guter Vater war, wird noch ausdiskutiert, aber ein guter Großvater war er.
Der Wind zerzaust die Haare der Pfarrerin und die Lilien auf den Kränzen biegt er durch. Er wuscht durch das Getreide, so dass die Halme ganz flach und dunkelgrün erscheinen. Er nimmt auch die Worte der Trauer und des Gebetes mit und verschluckt sie. Verlegen stehen alle rum, es hatte sich das Gerücht breit gemacht, man wolle nicht, dass man kondoliert. Und dann fängt doch eine an und alle sind erleichtert. Umarmung oder Händedruck, manchmal nur ein stilles Nicken, jeder so, wie ihm ist.
Man sammelt sich noch und spricht, wer mit wem fährt. Die einen gehen zu Fuß über die Felder, die anderen fahren und sammeln die noch ein, die mitgenommen werden wollen. Es gibt Kuchen, wie immer, und Schnittchen, wie immer. Im selben Saal, wie immer. Langsam zeigt man sich ein bißchen erleichtert , die Pflege war lang und schwer. Manches war eine Qual für alle, im Nebensatz erwähnt. Bald wird er fehlen, an seine lustigen Sprüche und das übermütige Zwinkern wird man sich erinnern. Und die Schwere des Endes langsam vergessen. Ob noch ein Urenkel nach ihm benannt wird? Wer weiß. Jedenfalls wird man ihn noch eine Weile besuchen auf dem Friedhof und ihm einen Strauß bringen, mit Wiesenblumen und Ähren vielleicht.