Blutige Bryga

Oh nein, bitte nicht die Blutige Bryga.
Als ich es merke, ist es zu spät. Der Laden ist rappelvoll, alle wollen noch einkaufen vor dem Feiertag. Fünf Kassen und fünf lange Schlangen. Ich nehme die mit den Leuten, die recht wenig im Wagen haben. Und freue mich, dass es zügig voran geht. Dann sehe ich Land, noch drei Leute vor mir. Ich schau mir die ausgelegten Kekse, die Kondome und das Rasierzeugs an. Merkwürdige Kombination. Die Herrschaften mit den paar Teilen im Wagen zahlen nun der Reihe nach mit Karte, umständlich und mit Unterschrift. Seltsam, ich höre nichts. Niemand spricht. Es knurrt nur. Jetzt erst sehe ich es: Bryga sitzt an der Kasse. Zusammengezogene Augenbrauen, die Mundwinkel nach unten und ein Blick, der zum Herzschlag führt. Ein Monolith. Es wird einem sofort kalt zwischen Herz und Magen. Und sie ist bereit zu töten, jeden Tag. Man fühlt es, man sieht es.
Sprechen will sie nicht, kein Guten Tag, kein Auf Wiedersehen. Nur Augenblitze und Knurren, damit beherrscht sie den Kassenraum. Ich staple mein Gemüsezeugs, den Jogurt und das Grillfleisch auf das Laufband. Verächtlich schiebt sie Teil um Teil am Scanner vorbei. Ich wage es und bitte, mir den Preis für den Käse zu sagen. Er war nicht ausgezeichnet. Sie knurrt und macht es nicht. Ich beuge mich über den Tresen und schaue selbst auf den Bildschirm. Dreineunundneunzig geht in Ordnung. Sie nuschelt den Gesamtbetrag, ich verstehe ihn nicht, und beuge mich wieder über den Bildschirm. Der grüne Hunderter beeindruckt sie ein wenig, zumindest zuckt sie. Und reicht mir das Rückgeld direkt in die Hand, fast liebevoll. Ich verabschiede mich freundlich Und wünsche ihr noch einen guten Abend und einen erholsamen Feiertag. Sie schaut aber weiterhin mürrisch, knurrt etwas und wendet sich dem nächsten Kunden zu. Dieser schaut aber mich an und lächelt so freundlich und gewinnend, dass es mir warm ums Herz wird. Ich lächle zurück: wir beide, die an Bryga abgeprallt sind, lassen uns die Freundlichkeit nicht nehmen.

Linkerei

Ein paar Empfehlungen.
Lest den Burgenblogger. Er sitzt auf der Burg Sooneck am Mittelrhein und freut sich über Leser. Und die Leser freuen sich über seinen wunderbaren Stil und seine Liebe zu einer grandiosen Landschaft.
Die Frau an der Kasse bloggt. Hätten Sie nicht gedacht? Schauen Sie mal bei Alex vorbei.
Seit über zwölf Jahren blogge ich nun und fast so lange folge ich einer jungen Texanerin und ihrer Mutter. Beide lieben Schuhe, Mode und Einrichtung. Klingt oberflächlich, ist meist aber zauberhaft. Die Mutter war Model und fing nach der Scheidung an ihre Tochter zu fotographieren. So sah ich die Tochter erwachsen werden. Und die Mutter sieht nach langer Zeit nicht mehr so traurig aus. Sie hat ein Händchen für Gebrauchtes, Möbel und Kleidung.
Mittlerweile verkaufen sie auch Dinge, die sie nicht mehr haben wollen. Und sie werben für Merkwürdiges wie Trockenshampoo. Da ich aber schon so lange zuschaue, mag ich deswegen nicht Schluss machen. Hier sind Judy Aldridge und ihre TochterJane.
Das sind die Blogs Atlantis und Sea of shoes.

WmDedgT 03/2017

Was ich eigentlich den ganzen Tag so mache, möchte Frau Brüllen wissen.
Nun, der Tag fäng für mich schon da an wo der andere aufhörte. Ich lieg zwar um Mitternacht im Bett, kann aber nicht schlafen. Mein Knie schmerzt unendlich, da hilft kein Drehen und Wenden. Irgendwann sehe ich es ein, stehe auf und nehme eine Voltaren. Ich schieb das immer sehr lange hinaus, weil ich eigentlich Schmerzmittel nicht vertrage, auch mit zusätzlichem Magenmittel nicht. Nun, medizinische Details sind hier nicht gefragt. So sitze ich in der Küche am fertig gedeckten Frühstückstisch, das macht Herr croco immer, lese und warte darauf, dass das Mittel wirkt. In meiner Tranfunzeligkeit zerschlagen ich noch einen Teller, und fege die Scherben auf. Irgendwann tut es nicht mehr weh und ich gehe ins Bett. So um vier schlafe ich ein und habe jetzt noch zweieinhalb Stunden bis zum Radiowecker. Eigentlich hätte ich auf bleiben können. Katzenwäsche und Morgengymanstik machen etwas wach, so dass ich halbwegs munter am Frühstückstisch sitze. Herr croco kommt auch, um mir Gesellschaft zu leisten. Ich sammle alles ein, Handtasche, Schultasche, Mantel, und bugsiere das Auto aus der Garage. Heute gibt es nur Biologie und ich bin gut vorbereitet, was sich sehr bewährt bei meinem völlig übermüdeten Zustand.
Von groben Schnitzern kann ich nichts berichten, die Pausen verbringe ich menschenfrei im Vorbereitungssaal.
Anschließend gehe ich einkaufen, der Kühlschrank beherbergt fast nur noch kalte Luft. In letzter Zeit treffe ich, egal wann ich einkaufe, die selbe ehemalige Kollegin. Beim ersten Treffen haben wir noch ganz viele Fakten ausgetauscht, sie ist pensioniert und reist, jetzt zeigen wir uns nur noch die gerade eingekaufte Ware, die wir für besonders halten. Es gibt wieder keinen Mohn, den ich aber dann im Reformhaus bekomme. Dort werde ich Zeuge eines Gesprächs, das mich dann noch den restlichen Tag aufregen wird. Eine schlanke ãltere Dame kauft irgendwas und sagt zur Dame an der Kasse, sie müsse jetzt etwas abnehmen, die Hosen seien zu eng. Die andere schlanke Dame an der Kasse stimmt zu, das mache sie auch ab und an. Die erste Dame legt nun nach. Sie mache das immer sofort, wenn sie Gewichtsveränderungen hätte. Sie könne ja die Damen nicht verstehen, bei denen alles entgleitet. Und die sich eher eine neue Hose kauften, als sich im Griff zu haben. Die andere stimmt zu. Ich schaue sie mir genaueran: verkniffene Gesichter. Leider bin ich viel zu müde, um so geistesgegenwãrtig zu sein etwas zu sagen. Das ärgert mich.
Nun, ich ärgere mich weiter, fahre nach Hause, mache Erdbeerquark und taue Waffeln auf. Und es gibt noch etwas abgehangene Banane mit Eierlikör und Schokostreusel. Nach dem Essen bin ich zu nichts mehr fähig und schlafe sofort auf der Couch ein. Um fünf gratuliere ich einer ganz lieben Freundin zum Geburtstag, (liest Du hier noch mit, liebe L.?) und fange an zu bügeln. Ich bügle eine „Menschen hautnah“ und eine „Quarks & Co“ Sendung durch, schneide mir noch ein Loch in eine Hose, als ich einen Faden abtrennen will, und sortiere zwei andere aus. Ja, dann die auch.
Abendessen mit Brezeln, etwas Salami und Apfel. Dann bügle ich nochmals, das geht nämlich, wenn der Kopf auch müde ist. Der Tagesbericht wird anschließend geschrieben, bevor ich noch an den Schreibtisch gehe, und für morgen vorbereite. Ich hoffe sehr, noch vor zwölf fertig zu werden. Wenigstens habe ich morgen nicht die erste Stunde.