Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Die Herzensfreundin hat sich verliebt. Nein, kein neuer Mann, der alte ist noch prima, sie hat sich in eine Krippe verliebt, in einer Krippenausstellung. Genau so eine möchte sie haben, sagte sie zum Mann. Seit sie nicht mehr so gesund ist, macht er alles für sie. Und so stand in Nullkommanix eine Krippe da aus Sperrholz. Die heilige Familie, Ochs, Esel, Hirten und die Könige sind aus einem Guss, ganz bunt und ziemlich gotisch. Sogar Kamele gibt es. Das Jesuskind liegt noch verpackt am Rande, ist ja noch nicht geboren worden. Ein Engel steht passend im Hintergrund. Die anderen Engel, die den Stall bevölkern, sind aus dem ganzen Haus hierher gewandert. Es gibt sie nur mit Kopf und Flügel, als kleine dicke Kinder, ganz in weiß und in diversen Holztönen. Der Stall hat sogar ein Regal für die ganz kleinen. Ganz vorne steht, mit vollem Blick auf die Krippe, ein kleiner Eskimo. Alles da, sage ich ihr, sogar in rauen Mengen. Nein, sagt sie, das Lagerfeuer der Hirten fehle. Gut, sage ich, da wo ich hinfahre gibt es alles in allen Größen. Ich schau mal. Und auf dem Markt war ich heute. Heilige Familien, Kamele, der halbe vordere Orient in diversen Größen. Und eine saubere Auswahl an Hirtenfeuer. Wie heißt das Ding nun auf Spanisch? Fuego de pastor? Ich fuchtle und zeige. Die Frau versteht mich nicht und holt den Mann von hinten. Ein strahlender, fast zahnloser kleiner rundlicher Mann glaubt, ich will nur die Birne, die so Wackellicht erzeugt. Nein, den ganzen Aufbau bitte, mit Kochtopf und Ästchen. Un regalo, ein Geschenk. Er macht den Preis ab und wickelt in Zeitungspapier. Ich erzähle ihm von der Freundin, Und er freut sich sehr, als ich die Lösung habe: la luz de navidad, das Licht von Weihnachten. Als er sich zu mir dreht, kann ich die Aufschrift auf dem Sweatshirt lesen: Gabriel.
Ich kenne eine Krippe, in der auch dieser Engel einen Platz gefunden hätte.

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Linkerei November

Wenn man einen Artikel schreiben will über eine große Liebe, und nicht weiß, wie man anfangen soll, und alles hin und her dreht, bis man nichts mehr schreibt, und dann eine andere genau den Artikel schon geschrieben hat, dann geht es einem wie mir: man ist verwirrt und freut sich.
Annikas erste Liebe war auch meine. Nun, nach Harald und Ali, aber so genau darf man es nicht nehmen. Und diese kleine Zahnfehlstellung hatte es mir auch sehr angetan. Heute noch finde ich Menschen mit etwas schiefen Zähnen anziehend. Und mit langen Haaren, die hüpfen, wenn sie sich bewegen. Partridge heißt übrigens Rebhuhn. Das waren die kleinen Viecher im Vorspann der Serie. Fast hätte ich ihn mal gesehen. Als ich 2001 in den USA war, trat er gerade in Las Vegas auf. Freunde besuchen und dann durch zwei Staaten rasen, habe ich dann doch gelassen. Und nun ist es zu spät. Jedenfalls war ich sehr traurig letzte Woche. Danke, Annika. And so long, David.

Frau Primimaus hat sich einen Schubs gegeben und berichtet wieder aus ihrem Schulalltag.In dieser Geschichte geht es um eine tote kleine Maus.

Hissa Hilal, eine saudiarabische Dichterin bewirbt sich um die Flagge, einen Dichterpreis, der in den Vereinigten Emiraten vergeben wird. Es ist spektakulär, aufgezogen als Fernsehshow mit viel Pathos. Dieses Fernsehspiel gibt Einblicke in eine Welt, die mir bisher fremd war, die der saudiarabischen Frauen. Ich war sehr sehr beeindruckt.

Musik kommt heute von der Partridge Family.

Nochn Interview mit David Cassidy

Ein Bauer geht

Es ist ein gutes Wetter um einen Bauern zu begraben. Der kleine Friedhof ist umgeben von einer flachen grünen Hecke, die aber den Blick frei gibt über die Felder. Jetzt gerade streichelt der Wind über das Getreide als ob er eine große Hand hätte. Im Halbrund steht das Dorf um den Sarg. Sechs Männer in schwarzen Anzügen und weißen Handschuhen stehen da, sie werden ihn nachher tragen. Eine Ehre ist das und sie sind die Nachbarn. Stühle stehen für die, die nicht stehen können. Kerzen hat man aufgestellt und einen Briefkasten für die Kondolenzkarten. Lauter weiße Blumen hat er bekommen von Kindern und Enkeln. Nachher kann man auswählen, ob man nach einem kurzen Gebet Sand hinab streut oder ob man in der Korb mit Blütenblättern greift. Früher hatte er einen großen Hof dort wo es wärmer war, herzlicher. Jetzt bei der Tochter war nur noch ein Foto an der Wand davon übrig geblieben. Er dachte immer noch in Jahreszeiten, in Saat und Ernte. Und er wartete auf Regen und darauf, dass etwas keimte. Er lebte mit den Pflanzen und den Tieren. Und nun sieht es aus, als ob sich alle nochmals von ihm verabschiedeten. Der Wind kommt auf und schüttelt die Friedhofsbäume, die Vögel singen ein letztes Lied. Und die Enkel weinen herzzerreißend. Ob er ein guter Vater war, wird noch ausdiskutiert, aber ein guter Großvater war er.
Der Wind zerzaust die Haare der Pfarrerin und die Lilien auf den Kränzen biegt er durch. Er wuscht durch das Getreide, so dass die Halme ganz flach und dunkelgrün erscheinen. Er nimmt auch die Worte der Trauer und des Gebetes mit und verschluckt sie. Verlegen stehen alle rum, es hatte sich das Gerücht breit gemacht, man wolle nicht, dass man kondoliert. Und dann fängt doch eine an und alle sind erleichtert. Umarmung oder Händedruck, manchmal nur ein stilles Nicken, jeder so, wie ihm ist.
Man sammelt sich noch und spricht, wer mit wem fährt. Die einen gehen zu Fuß über die Felder, die anderen fahren und sammeln die noch ein, die mitgenommen werden wollen. Es gibt Kuchen, wie immer, und Schnittchen, wie immer. Im selben Saal, wie immer. Langsam zeigt man sich ein bißchen erleichtert , die Pflege war lang und schwer. Manches war eine Qual für alle, im Nebensatz erwähnt. Bald wird er fehlen, an seine lustigen Sprüche und das übermütige Zwinkern wird man sich erinnern. Und die Schwere des Endes langsam vergessen. Ob noch ein Urenkel nach ihm benannt wird? Wer weiß. Jedenfalls wird man ihn noch eine Weile besuchen auf dem Friedhof und ihm einen Strauß bringen, mit Wiesenblumen und Ähren vielleicht.