Kuddelmuddel

Die Woche war anstrengend, subjektiv gesehen. Für andere ein Klacks, für mich an der Grenze der Belastbarkeit. Um wieder Kondition zu bekommen, gehe ich zwei Mal die Woche ins Fitness-Studio. Davon muss ich mich dann zwei Tage erholen. Den Garten werde ich dieses Jahr wieder nicht alleine schaffen, und mir wieder Hilfe holen. Mein Kopf macht Pläne, Bäume schneiden, Fußboden legen lassen, so wie früher, und doch kann es sein, dass nichts davon gemacht wird, nicht wie früher. Ich, die Königin der Planwirtschaft, hat ihr Königreich verloren. Früher war das Jahr verplant, dann und dann geht es dort und dort hin. Vorbei. Zusagen sind nur noch ein Vielleicht.
Schau ich aus der Küche, dem einzige Ort, der Veränderungen bietet, so sehe ich am Horizont eine Akropolis entstehen, eine imposante Halle aus Balken. Der Nachbar scheint ein neues Bett zu haben, das alte wartet im Regen und in Einzelteile zerlegt auf die morgige Abfuhr.
Letzte Woche stand beim anderen Nachbarn der Kühlschrank draußen, und ein alter Fernseher. Nicht mal die üblichen Fledderer kommen und holen sich Brauchbares.
Alles ist nass, überall steht das Wasser.
Die Woche habe ich die kleine Küchenterrasse abgeschrubbt. Der Winterdreck ist weg, zumindest dort.
Die Pflanzen im Wintergarten stehen so dicht, dass man kaum durch kommt.
Und genau da ist nach dem Gießen die Folie um eine Olivenbaumtopf geplatzt. Kann man sich das vorstellen, ich mit Schrubber und Lappen auf dem Bauch liegend, wischend und vor mich hin schimpfend?
Irgendwie hat mich der Besuch der Kanzlerin bei Trump gepackt. Absurd! Und sie hat so gut reagiert, die Mimik war göttlich. Und da ist mir ein altes Lied eingefallen, von Konstantin Wecker. Hören Sie mal.

Schwimminski

Heute ist es usselig draußen. Die Vögel haben schon die zweite Ladung Äpfel zerlegt. Jetzt, wo die Stunde der Wintervögel vorbei ist, sitzen sie in Zweierreihen vor den Vogelhäuschen. Wenn ich jetzt zählen müsste, würde ich verrückt. Wo waren all die Viecher bis zum Wochenende?

Bei diesem Wetter mag man im warmen Wasser sitzen und sich die Schneeflocken auf die Nase fallen lassen. Dazu müsste ich den Popo von der Couch nehmen und mich in eines der umliegenden Thermalbãder begeben. Eine Stunde fahren und dann die Haare nass? Nö. Sie merken, ich bin eine Tussi. Bloß kein kaltes Wasser irgendwo, ich bin Warmduscherin, Warmbaderin. In einem Baggersee war ich, abgesehen davon, dass gerade Winter ist, schon lange nicht mehr. Zu kalt für Madams Waden.

Aber gucken, wie andere baden, das mache ich gerne. Anne, die Tochter von FrauMutti, badet sich durch die Weihnachtszeit. Nun, sie ist gerade in Südafrika und ein paar Erlebnisse lassen bestimmt das Herz ihrer Mutter fast still stehen. Afrikaanne sieht bei alledem ziemlich gücklich aus.
Da hat übrigens ne fremde croco kommentiert, na sowas.

Journelle hat sich einen eiskalten Teich in London ausgesucht, um schwimmen zu gehen. Es werden Badekappe und Handschuhe empfohlen.
Wie vergnügt die Damen im Kenwood Ladies Pond sind!

Sind Sie auf Weltreise, wie Frau Wortschnittchen demnächst, sind sie vielleicht froh über Ratschläge, in welchen Gletscherbächen man nun baden kann. Herr Kaspersky ist ziemlich mutig.

So weit reisen muss man aber nicht. Frau Chlorhuhn gibt Tipps zum Eisschwimmen in einheimischen Gewãssern. Ein wohliges Gruseln und eine tiefe Dankbarkeit, dass ich es warm habe, überfallen mich.

Man muss solche Artikel immer mit einem hoffnungsvollwohligen Aspekt schließen. Im kleinen Hotel der Frau Blaumann in Rottenburg am Neckar ist der Zimmerpreis immer inclusive der Freibadkarte. Die ehemalige Schreinerei liegt direkt am Neckarufer und neben dem Freibad. Das Frühstück ist im Preis nicht dabei, aber bitte buchen Sie es trotzdem, es schmeckt gōttlich. Ein prima Quartier für eine heiße Sommerwoche mit Fahrrad direkt am Fluß. Und der Sommer wird kommen, versprochen!

Jahresrückblick 2016

Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen. Aber erst ein Drittel von dem, was ich durch Krankheit zugenommen hatte. Gedanken mache ich mir aber nicht darüber. Es ist wie es ist.

Haare länger oder kürzer?
Länger, also pudelig länger.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Die Sehfãhigkeit hatte sehr gelitten, jetzt ist sie besser als vorher.

Mehr bewegt oder weniger?
Mehr, sehr viel mehr. Ich kann wieder längere Stecken gehen. Und im Fitnesstudio laufe ich noch unter Reha und nicht unter Spinningkunde.

Mehr Kohle oder weniger..
Gleich viel, doch hat es sich gestapelt, weil ich nichts ausgegeben habe.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Viel mehr. Ist man mit existentiellen Dingen beschäftigt, hat man weder die Lust noch die Fantasie zum Geldausgeben.

Der hirnrissigste Plan?
So schnell wieder arbeiten zu gehen.

Die gefährlichste Unternehmung?
Ich mache nichts gefährliches, die Gefahr kommt zu mir.
Und sie findet mich auch unter der Couch.

Die teuerste Anschaffung?
Die Couch.

Das leckerste Essen?
Die Austern am Geburtstag.

Das beeindruckenste Buch?
Die Pfaueninsel, von Thomas Hettche.
So Welten aus Gewãchshãusern, Tieren, Pflanzen und kleinen Menschen faszinieren mich.

Das enttäuschendste Buch
Stoner, von John Williams.
Ich hatte vorher viel Gutes darüber gelesen. Ihn als verschlossenen, nicht kommunizierenden Menschen zu begleiten, strengte mich an.

Der ergreifendste Film?
Dass ich das je sagen würde: ich war nicht im Kino in diesem Jahr.
Und wenn, dann habe ich es vergessen.
Der berührendste war „Bird on a wire“ auf Arte, über Leonard Cohen.

Die beste Musik?
In diesem Jahr habe ich kaum Musik gehört, nur Stille um mich.
In den letzten Wochen war es aber dann doch:
Bird on a wire, von Leonard Cohen.

Das beste Theater?
Auch im Theater war ich nicht im letzten Jahr.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Am Leben bleiben und darüber nachdenken, was es mir bedeutet.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Ins Leben zurück zu finden.

Vorherrschendes Gefühl 2016?
Immer noch und trotz drei Mal Krankenhaus: überlebt zu haben.

2016 zum ersten Mal getan?
Allein getanzt.
Ein Auto ohne Dach gekauft.
Keine Plätzchen gebacken.
Keine Weihnachtsdeko aufgehãngt.

2016 nach langer Zeit wieder getan?
Mein eigenes Leben gelebt.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Erste Woche Krankenhaus.
Zweite Woche Krankenhaus.
Dritte Woche Krankenhaus.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Den Mut haben, das eigene Leben zu leben.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Zuzuhören und dann darüber zu schweigen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Beistand und Vertrauen.
Und zwei „Hallelujah“.

2016 war mit 1 Wort…?
Aufstrebend.

Vorsätze für 2017?
Einfach weiter im Heute zu leben.