WmDedgT 11/17

Frau Brüllen will es wieder wissen: was mache ich eigentlich so den ganzen Tag.

Nun, halten Sie sich fest, es wird langweilig. Die Nacht zu Sonntag war wieder eine schlaflose, so brauchte ich bis zehn Uhr, um aus den Federn zu kommen. Die Federn sind seit neuestem eine Daunendecke von wundersamer Weichheit. Ein Geschenk meiner Mutter. Sie ist ja vom alten Schlag und lässt so etwas extra anfertigen. Man sucht die Daunen aus, auch den Bezug und gibt die Maße an. Jedenfalls trägt dieses Kuscheldingens nicht dazu bei, dass ich aufstehen will.
Letztendlich treibt die Lust nach Kaffee mich doch noch in die Küche. Nach dem Frühstück wartet der Schreibtisch auf mich. Eine grausliche Klausur will korrigiert werde. Ich schreibe ja immer dazu, was fehlt. Je schlechter der Kurs ist, desto mehr Arbeit habe ich. Dafür bringt es den Schülern was, bilde ich mir ein. Bis zum Schluss ist nicht klar, ob sie nachgeschrieben werden muss. Der Drittelerlass, Sie wissen schon. Sie wissen nicht? Es darf nur ein Drittel eines Kurses schlechter sein als ausreichend. So passt sich der Lehrer dem Kursniveau an, nicht umgekehrt. Außer er will doppelt schreiben lassen und andauernd deswegen bei der Schulleitung vorstellig werden. So bekommt man auch von unmöglichen Klassen oder Kursen einigermaßen passable Ergebnisse. Falls Sie sich fragen, warum bei Gesamtschulen und Gymanasien ähnliche Ergebnisse, in Noten gerechnet, rauskommen.
Zum Mittagessen gibt es Marokkanisch: Couscous, Hackfleischbällchen und Gemüsegemisch mit Tajinegewürz.
Das Wetter ist stürmisch und nass, so wird eben nicht sonntagsspaziert. Dann gibt es wieder eine Runde Schreibtisch mit anschließendem Hefezopf mit Aprikosenmarmelade. Dann wieder Schreibtisch. Ich weiß, ich langweile, aber das ist mein Leben.
Am Abend gibt es dann Brot, Käse und Schinken, zur Zeit immer mit Äpfel aus dem Garten. Die nicht so gedellten und nicht wurmigen Exemplare schmecken wunderbar.
Familientelefonate und die ARD-Mediathek schließen den Tag ab.
Das Salz der Erde, ich empfehle es sehr. Eine Wim Wenders Dokumentation über den Fotographen Sebastião Salgado.*

Ich werde Wim Wenders immer lieben.
Genau das wollte ich schon immer mal sagen.

  • Die Fotos sind teilweise nichts für empfindliche Gemüter.
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WmDedgT 09/17

Was wir so den ganzen Tag machen, will Frau Brüllen wissen.

Nun, ich hatte  grottenschlecht geschlafen. In den Ferien ist das egal, schlafe ich halt aus. Der Mann kommt erst zum Frühstück nach Hause. Mit dem Ausschlafen wird es dann nichts. Um halb acht weckt mich das Telefon, bis ich dran bin, ist der Anrufer weg. Nummer unterdrückt. Ich nicke kurz ein. Dann geht der Wecker, den der Mann aus Versehen angelassen hat. Jetzt bin ich richtig wach und stehe auf. Eine Ladung Wäsche landet noch in der Maschine, die aus dem Trockner lege ich zusammen. Ich mach das Frühstück und der Mann kommt hundskaputt von der Arbeit. Und dann schlafen wir beide auf der Couch ein. Um halb zwölf wache ich auf, lese ein bißchen und bereite das Mittagessen vor. Nach dem Mittagessen mache ich ein Päckchen zurecht. Zwei lange Telefonate mit nicht so guten Nachrichten folgen. Danach fülle ich nochmals eine Waschmaschine, leere den Trockner und lege Wäsche zusammen. Der Korb für die Mangel ist nun voll. Mit Mangelwäsche und Päckchen fahre ich in die Stadt. Die Stadt ist rappelvoll, am Heilig Abend ist nicht mehr los. Ein Gekurve ist das. Im Supermarkt hole ich Obst und Jogurt. Dann läuft mir noch ein Mann vor‘s Auto und schimpft mich gehörig aus. Im Elektrokaufhaus finde ich den passenden Radiowecker und werde ausführlich beraten. Ich flirte noch etwas mit den neuen Kaffeemaschinen und fahre wieder heim. Jetzt fährt mir noch fast ein Auto von links in die Flanke. Nur unflätiges Hupen rettet mich.  Auspacken und den neuen Wecker installieren ist in einem Wusch gemacht. Der alte kommt ins Gästezimmer, da muss ja nicht immer zuverlässig geweckt werden. Der neue hat nämlich einen Puffer gegen Stromausfall. Den haben wir leider immer noch ab und an. Vor einem Jahrzehnt war es schlimmer, da war er manchmal einen ganzen Tag lang weg, oder eine Nacht. Aus der Zeit sind noch Taschenlampen im Haus verteilt, Kerzen und Streichhölzer liegen in einem Depot. Das moderne Telefon fällt ja dann auch aus. Was trauere ich meinem 12 Volt Schnurtelefon nach. In der Not ging das immer noch. Nein, wir leben  nicht in Afrika.

Nun, der Mann kommt von der Arbeit, und will Fussball gucken. Wir erfreuen uns sehr an den singenden Iren, dann kommt wieder ein Telefonat wegen der nicht so guten Nachrichten. Der Mann übernimmt, dann essen wir zu Abend. Ich lese noch, er schaut Fussball. Dann noch ein Telefonat und jetzt reicht es. Ich fasse den Tag zusammen und gehe gleich ins Bett.

 

WmDedgT 10/2017

Frau Brüllen möchte wissen, was wir so am 5. eines jeden Monats machen.
Der Tag beginnt um zwei Uhr in der Nacht. Ich kann vor Schmerzen nicht schlafen, trotz Schmerzmittel. So sitze ich in der Küche und lenke mich ab. Ich lese und lese bis es halb fünf ist und ich vor Müdigkeit fast vom Stuhl falle. Jetzt geht das Schlafen bis sieben, dass sind die Schmerzen wieder da. Waren es die zwei Schubkarren fauler und wurmiger Äpfel, die ich aufgesammelt habe? War es die Drahtbürste, die ich über die Terrassenfugen schubste?
Jedenfalls brennen die Rippen von einer alten Verletzung wie Hölle. Frühstück mit Herrn croco, den ich zur Arbeit jage und dann fange ich an zu bügeln, in der Hoffnung, dass sich das was sich ausgerenkt hat auch wieder eingerenkt würde. Es ist nicht schön, aber es geht einigermaßen. Dann fahre ich einkaufen, Essen und Zeugs für eine Woche. Die Kisten ins Auto und wieder heraus zu wuchten bringt mich fast um. Jeder Atemzug sticht. Kochen schaffe ich nicht, so gibt es Schnitzel von der Heißen Theke und Kartoffelsalat aus dem Kühlregal. Herr croco kommt zum Mittag und bemitleidet mich ein bißchen. Ich schlafe und lese, ohne dass es mir merklich besser geht. Dann ist Sprachunterricht und die ersehnte Physiotherapie. Die Therapeutin ist etwas ratlos, ich klage ja selten über Schmerzen und kann kaum noch. Sie zieht vorsichtig da und drückt dort, und plötzlich kann ich wieder atmen. Frei und ohne Schmerzen atmen. Ich schwebe zum Auto, schwebe nach Hause und freue mich, esse Melone und Käse zu Abend und telefonieren noch etwas. Dann gibt es Nachrichten und die aufgezeichnete Vera von gestern. Dann beginne ich mit den Aufzeichnungen.
Ach ja, es war mein freier Tag.