WmDedgT 10/2017

Frau Brüllen möchte wissen, was wir so am 5. eines jeden Monats machen.
Der Tag beginnt um zwei Uhr in der Nacht. Ich kann vor Schmerzen nicht schlafen, trotz Schmerzmittel. So sitze ich in der Küche und lenke mich ab. Ich lese und lese bis es halb fünf ist und ich vor Müdigkeit fast vom Stuhl falle. Jetzt geht das Schlafen bis sieben, dass sind die Schmerzen wieder da. Waren es die zwei Schubkarren fauler und wurmiger Äpfel, die ich aufgesammelt habe? War es die Drahtbürste, die ich über die Terrassenfugen schubste?
Jedenfalls brennen die Rippen von einer alten Verletzung wie Hölle. Frühstück mit Herrn croco, den ich zur Arbeit jage und dann fange ich an zu bügeln, in der Hoffnung, dass sich das was sich ausgerenkt hat auch wieder eingerenkt würde. Es ist nicht schön, aber es geht einigermaßen. Dann fahre ich einkaufen, Essen und Zeugs für eine Woche. Die Kisten ins Auto und wieder heraus zu wuchten bringt mich fast um. Jeder Atemzug sticht. Kochen schaffe ich nicht, so gibt es Schnitzel von der Heißen Theke und Kartoffelsalat aus dem Kühlregal. Herr croco kommt zum Mittag und bemitleidet mich ein bißchen. Ich schlafe und lese, ohne dass es mir merklich besser geht. Dann ist Sprachunterricht und die ersehnte Physiotherapie. Die Therapeutin ist etwas ratlos, ich klage ja selten über Schmerzen und kann kaum noch. Sie zieht vorsichtig da und drückt dort, und plötzlich kann ich wieder atmen. Frei und ohne Schmerzen atmen. Ich schwebe zum Auto, schwebe nach Hause und freue mich, esse Melone und Käse zu Abend und telefonieren noch etwas. Dann gibt es Nachrichten und die aufgezeichnete Vera von gestern. Dann beginne ich mit den Aufzeichnungen.
Ach ja, es war mein freier Tag.

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WmDedgT 8/2017

Frau Brüllen möchte wissen, was wir so den Tag über machen, wie jeden 5. im Monat.

So, ein Samstag beginnt traditionell mit Ausschlafen. Naja, um 9 geht der Wecker, kurz danach kommen die ersten Telefonate für den Mann. Er muss heute nicht arbeiten, aber irgendwie doch. Das Wohnzimmer hat er gerade wieder als Arbeitszimmer okupiert. Und dahin zieht es ihn nach dem kurzen Frühstück. Ich lese noch die Zeitung und ein bißchen im Internet bevor ich zum Einkaufen fahre. Den Rest habe ich gestern erledigt, so dass jetzt nur noch die Lebensmittel bleiben. Zuvor halte ich noch vor dem Geschäft einer Freundin und bezahle das Geburtstagsgeschenk des Mannes. Es war zu spät eingetroffen und ich hatte dann eine Auswahl mitgenommen. Das ist das Schöne an unserer kleinen Stadt: man kann auch zuhause anprobieren.
Im Supermarkt meiner Wahl, also der den ich in einem Affenzacken durchkreisen kann und nicht an der Kasse warten muss, ist nicht viel los. Einkaufen gehen ist mir sehr unangenehm, Schlange stehen auch, und so bin ich für die Discounter eine verlorene Kundin.
Ich muss übrigens einen Rat zurücknehmen, den ich über Jahre meinen Kolleginnen auf Männersuche mitgegeben habe. Samstag Vormittag im Supermarkt, da kaufen sie ein, die Singles. Nein, tun sie nicht mehr. Es sind die Rentner, die diese ökologische Nische besetzen. Durchaus schicke Paare suchen Delikatessen. Und beraten sich vor der Käsetheke. Doch, ein junger Mann war da, mit seiner Oma. Und sie fragte bei jedem Becher, den sie aus dem Regal nahm: Magst Du das essen? Er nickte brav oder schüttelte den Kopf.
Ich glaube, das wird schwierig für ihn auf dem freien Markt.
Nein, kein Payback, nein, keine irgendwelchen anderen Punkte.
Im Parkhaus merke ich, dass ich den Essig vergessen habe. Also alles zurück. Zuhause gibt es dann ein schnelles Mittagessen. Kartoffelauflauf von gestern plus angebratenes Hühnchenfleisch. Ja, Bio, ja, sehr sehr glücklich vorher.
Der Mann muss noch schnell Bürozeugs machen. Ich lese wieder rum. Das Verb für den Nachmittag habe ich Nikolas Sarkozy zu verdanken : Kärchern. Die letzten Jahre standen unter einem anderen Stern, der nicht mit Terrassenreinigung zu vereinbaren war. Nun ich will es selbst machen und mir nur das Gerät zeigen lassen. Es wird nichts daraus. Was jetzt etwas mit Auseinandersetzung zu tun hat, und meiner kurzfristig anberaumten Verlagerung meines Arbeitsplatzes vor das Haus zum Jäten zwischen den Steinen. Beim gebückten Grasen kam ich zu der Einsicht, dass es durchaus Männerarbeit gibt, also Arbeit, die Männer gerne machen, nicht Arbeit, die Männer exclusiv können. Warum sollte ich den schweren Anteil übernehmen, wenn auch Fegen geht? Gut, ich fege den patschnasse Moosmatsch weg. Vier Stunden mit kurzer Kaffeeunterbrechung mit kleinen spanischen Keksen. Danach sind wir fertig. Der Mann schläft auf der Couch ein, ich bereiten einen Teller vor mit Dingen, die man gabeln kann (erinnert sich noch jemand an das Verb?).
So können wir die Renaissance auf Arte gucken: Zeitenwende.
Hochinteressant! Und ich schreibe noch das Ende des Berichtes für heute.

WmDedgT 06/17

Frau Brüllen möchte wissen, was wir so den ganzen Tag tun.
Es ist ein geschenkter Sonntag, dieser Montag. Und ich bin so müde. Den Wecker habe ich auf neun gestellt. Herr croco ist seit acht im Haus unterwegs und kommt ab und an vorbei um mir zu sagen, dass er mit mir frühstücken will.
Er zieht die Vorhänge weg und öffnet die Fenster. Ich rolle mich ein und schlafe weiter. Bis es fast zehn Uhr ist, dann habe ich genug. Ich muss arbeiten, ja, korrigieren. Bißchen kühl ist es draußen, und windy, so dass wir in der Küche frühstücken.
Ich ess nie viel in der Frühe, und bin sehr maulfaul, so dass ein Frühstück mit mir nie ein gesellschaftliches Ereignis werden wird. Heute wird es bemängelt, man sucht das Gepräch. Leider wird nichts drauß. Ich setze mich dann an den Schreibtisch und fange an mit den Arbeiten. Nein, ein Diaphragma ist kein chemisches Verhütungsmittel. Nein, eine Minipille muss man nicht direkt nach dem Geschlechtsverkehr einnehmen. Da hast Du was verwechselt, junge Frau. Dazwischen muss ich ein bißchen im Internet gucken, damit ich nicht verrückt werde. Mich stressen Korrekturen ungemein. Einen halben Punkt dafür oder eher keinen? Die Frage ist ganz anders beantwortet worden, geht aber auch so. Volle Punktzahl oder Abzug wegen Nichtdurchlesens der Frage? Ich hasse das. Und die Korrekturen müssen einem Vergleich Stand halten. Wenn ich jetzt für etwas einen Punkt gebe, muss ich zehn Arbeiten weiter genau den selben Punkt geben, sonst ist morgen Polen offen. So, um eins habe ich genug. Im muss Kuchen kaufen gehen, es kommt Besuch und für die Backerei habe ich keine Zeit mehr. Sahnetorte dauert und ich habe Lust auf Sahnetorte. Der Mann kommt mit, er muss noch was im Geschäft holen. In der Konditorei suche ich Erdbeertorte und Schwarzwälder Kirsch aus und wünsche einen schönen Sonntag. Sie haben Kleingeldmangel und ich lasse mein ganze Centsammlung da. Ich habe immer Strandgut im Geldbeutel. Immer will Kleingeld zu mir.
Zuhause gibt es dann einen Obstteller zu Mittag und einen Platz an der Sonne. Ich lese noch ein bißchen und schlafe noch ein bißchen und schon ist der Besuch da.
Die Freundin mit ihren zwei kleinen, äußerst niedlichen Kindern trifft ein und wir reden, trinken Kaffee und essen Torte. Ich freue mich an ihren Geschichten, sie hat einen äußerst pragmatischen und analytischen Blick auf die Welt, den ich sehr liebe, und ich erzähle ihr meine Geschichten. Ich kenne ihre Familie und ihren Bekanntenkreis schon seit so vielen Jahren, und sie meinen. Dazwischen wuselt das Baby und rennt das Kleine und wollen beschäftig und bepustet werden. Kurzum, es ist äußerst unterhaltsam und sehr kurzweilig. Im Garten gibt es Blumen zum Riechen und im Teich schwimmt ein Krokodil, was will man mehr. Plötzlich ist es Abend, der Tischgrill wird nach draußen geschleppt und es gibt Schnitzel, Brot und Salat. Wir erzählen weiter, während noch eine Runde gewickelt und eine Portion Brei verfüttert wird. Sie fahren winkend ab, ich schreibe noch schnell alles auf, bevor ich mich wieder an Minipille und Diaphragma mache.