WmDedgT 03/2017

Was ich eigentlich den ganzen Tag so mache, möchte Frau Brüllen wissen.
Nun, der Tag fäng für mich schon da an wo der andere aufhörte. Ich lieg zwar um Mitternacht im Bett, kann aber nicht schlafen. Mein Knie schmerzt unendlich, da hilft kein Drehen und Wenden. Irgendwann sehe ich es ein, stehe auf und nehme eine Voltaren. Ich schieb das immer sehr lange hinaus, weil ich eigentlich Schmerzmittel nicht vertrage, auch mit zusätzlichem Magenmittel nicht. Nun, medizinische Details sind hier nicht gefragt. So sitze ich in der Küche am fertig gedeckten Frühstückstisch, das macht Herr croco immer, lese und warte darauf, dass das Mittel wirkt. In meiner Tranfunzeligkeit zerschlagen ich noch einen Teller, und fege die Scherben auf. Irgendwann tut es nicht mehr weh und ich gehe ins Bett. So um vier schlafe ich ein und habe jetzt noch zweieinhalb Stunden bis zum Radiowecker. Eigentlich hätte ich auf bleiben können. Katzenwäsche und Morgengymanstik machen etwas wach, so dass ich halbwegs munter am Frühstückstisch sitze. Herr croco kommt auch, um mir Gesellschaft zu leisten. Ich sammle alles ein, Handtasche, Schultasche, Mantel, und bugsiere das Auto aus der Garage. Heute gibt es nur Biologie und ich bin gut vorbereitet, was sich sehr bewährt bei meinem völlig übermüdeten Zustand.
Von groben Schnitzern kann ich nichts berichten, die Pausen verbringe ich menschenfrei im Vorbereitungssaal.
Anschließend gehe ich einkaufen, der Kühlschrank beherbergt fast nur noch kalte Luft. In letzter Zeit treffe ich, egal wann ich einkaufe, die selbe ehemalige Kollegin. Beim ersten Treffen haben wir noch ganz viele Fakten ausgetauscht, sie ist pensioniert und reist, jetzt zeigen wir uns nur noch die gerade eingekaufte Ware, die wir für besonders halten. Es gibt wieder keinen Mohn, den ich aber dann im Reformhaus bekomme. Dort werde ich Zeuge eines Gesprächs, das mich dann noch den restlichen Tag aufregen wird. Eine schlanke ãltere Dame kauft irgendwas und sagt zur Dame an der Kasse, sie müsse jetzt etwas abnehmen, die Hosen seien zu eng. Die andere schlanke Dame an der Kasse stimmt zu, das mache sie auch ab und an. Die erste Dame legt nun nach. Sie mache das immer sofort, wenn sie Gewichtsveränderungen hätte. Sie könne ja die Damen nicht verstehen, bei denen alles entgleitet. Und die sich eher eine neue Hose kauften, als sich im Griff zu haben. Die andere stimmt zu. Ich schaue sie mir genaueran: verkniffene Gesichter. Leider bin ich viel zu müde, um so geistesgegenwãrtig zu sein etwas zu sagen. Das ärgert mich.
Nun, ich ärgere mich weiter, fahre nach Hause, mache Erdbeerquark und taue Waffeln auf. Und es gibt noch etwas abgehangene Banane mit Eierlikör und Schokostreusel. Nach dem Essen bin ich zu nichts mehr fähig und schlafe sofort auf der Couch ein. Um fünf gratuliere ich einer ganz lieben Freundin zum Geburtstag, (liest Du hier noch mit, liebe L.?) und fange an zu bügeln. Ich bügle eine „Menschen hautnah“ und eine „Quarks & Co“ Sendung durch, schneide mir noch ein Loch in eine Hose, als ich einen Faden abtrennen will, und sortiere zwei andere aus. Ja, dann die auch.
Abendessen mit Brezeln, etwas Salami und Apfel. Dann bügle ich nochmals, das geht nämlich, wenn der Kopf auch müde ist. Der Tagesbericht wird anschließend geschrieben, bevor ich noch an den Schreibtisch gehe, und für morgen vorbereite. Ich hoffe sehr, noch vor zwölf fertig zu werden. Wenigstens habe ich morgen nicht die erste Stunde.

WmDedgT 3/2017

Wie jeden 5. eines Monats möchte Frau Brüllen wissen, was wir so den Tag über gemacht haben.

Die Nacht war kurz. Bin erst nach vier Uhr un den Schlaf gekommen und um neun ging schon der Wecker. Ich hätte weiter schlafen können, doch ich wollte keine Migräne riskieren. Entsprechend trantütig saß ich dann beim Frühstück. Herr croco sprach ganz ausführlich mit mir über irgend etwas, an das ich mich nicht mehr erinnere. Ich glaube, ich habe mehrfach genickt. Danach schob ich mich in den Keller um zu bügeln und um die Waschmaschine zu leeren und den Trockner zu füllen. Da das WLan im Keller wackelig ist, gucke ich Podcasts, FrauTV und Kathrin Bauerfeind. Dieses Mal war sie im Zirkus Roncalli, durfte ein Pony in die Manege schubsen und Herrn Paul interviewen. Da war ich wieder froh, dass mein Vater uns gezwungen hatte,Filme mit Hans Moser zu gucken. Ich verstehe fast jeden nuschelnden Österreicher ausgezeichnet. In der aufgezeichneten FrauTV-Sendung ging es unter anderem um stomatragende Frauen. Ich hatte so Beutel noch nie gesehen und mir dem Umgang komplizierter vorgestellt. Ausgebügelt habe ich mich in die Küche begeben und dort aufgeräumt und dann das Mittagessen vorbereitet. Herr croco erledigte derweilen am Wohnzimmertisch Geschäftliches. Es gab Gemüse im Wok mit Nudeln und danach noch Jogurt. Bißchen Fastenzeit eben. Anschließend las ich das Internet aus und spielteein bißchen candy crush. Der Spaziergang fiel wegen sauigeligem Wetter aus. So gab es noch ne Runde Podcast mit Bügeln. Anschließend folgte ein langes Telefonat mit Schwester und Mutter. Die lange Nacht und die Informationsdichte des Telefonats forderten ihren Tribut: ich schlief ein. Wieder aufgewacht, folgte ein Abendbrot aus Apfel und Brot, Herr croco isst noch Wurst und Käse. Eine Telfonat mit der Schwägerin und es war Zeit für „Nacht über Berlin“, gestern aufgezeichnet. Berührende Geschichte zur Zeit der Machtübernahme Hitlers, tolle Schauspieler, unter anderem Familie Liefers-Loos und Max Raabe! Den Unterricht für morgen habe ich schon vorbereitet, so kann ich jetzt noch den Tagesbericht schreiben.

 

WmDedgT 1/2017

Frau Brüllen will es wissen. Und zwar, was wir am 5. eines jeden Monats so machen. Hier ist mein Tag.

Aufstehen muss ich erst um acht. Ein Luxus, zu Schulzeiten ist es meist halb sieben. Das ist für meinen Körper und meinen Verstand fast wie Mitternacht.
Draußen liegt ein bißchen pudriger Schnee und die Sonne scheint, ein perfekter Ferientag. Geschippt werden muss nicht, also wird es ein entspanntes Frühstück.
Der Mann nimmt mein schōnes Auto, ich den Packesel, damit ich den Wäschekorb zur Mangel in die Stadt transportieren kann. Ich hol noch schnell Geld aus dem Automaten und frage beim Goldschmied nach, ob ich die geschenkten Ohrstecker zu Clips umarbeiten lassen kann. Ich habe ja keine Löcher, aus Gründen. Nun, es geh nicht, schade. So gebe ich sie mit Bedauern zurück.
Die Freundin, nach dem letzten Beitrag müsste ich sie fragen, ob sie es wirklich ist, also, sie wohnt in einem anderen Dorf und ich hole sie ab. Ich nehmen einen Riesenumweg durch ein verzauberte verzuckerte Tälchen, aus Schönheitsgründen. Wir wollen uns einfach unsere letzten Wochen erzählen. Und gleichzeitig ein neues Café begutachten. Unser großer Plan ist nämlich, dass wir eines Tages alles hinschmeißen und ein Bistro aufmachen. Und so gucken wir jeden neuen Laden an und diskutiere, was wie sein soll, und was nicht. Nun, hier sind die Lampen super, aber weder Gestühl noch Aufteilung gefallen uns. Übrigens ist die Karte auch ein büschn laaangweilig, aber günstig. Ich persönlich glaube, dass wir das nie machen werden, weil wir nur Spaß am Planen haben, wir die eigentliche Arbeit aber sofort delegieren würden. Und uns immer kleine Bands oder Dichterlesungen zur Unterhaltung gönnen würden.
Nach ausführlichem Update über die gesamten letzten Wochen, bringe ich sie wieder heim und eise den Mann für zwei Toast Hawaii aus der Arbeit raus. Danach ruhe ich zuhause etwas aus, lese, der Mann kommt und hat Zeit für einen Spaziergang bei Eiseswind ums Dorf. Keiner ist draußen, nur wir. Ein Fenster öffnet sich für einen Neujahrsgruß. Ich ziehe mir die Kapuze meiner neuen irischen Strickjacke über die Ohren, viel hilft es nicht. Zuhause gibt es Tee, der Mann geht wieder arbeiten. Ich mache mich an Nähzeugs, was seit zwei Jahren rum liegt. Hosennähte, Abtrockentücher umsäumen, so Flickzeugs halt. Nebenher ziehe ich mir die Podcasts der Landesschau Baden Württemberg über das ipad rein. Da wird mir immer so wohlig dabei. Die Nähmaschine tut es erstaunlicherweise noch, für den Fadenverlauf in der Spule muss ich aber im Prospekt nachschauen.
Um acht kommt der Mann von der Arbeit und hat Hunger. Wir essen, also wir verspern, und gucken dann Nachrichten. Anschließend sind zwei aufgezeichnete Folgen von Scott & Bailey dran. Ich nerve etwas, weil ich nebenher twittere und ein bißchen Candy cush spiele. Kurz nach elf ist Bettzeit, doch leider ist für mich kein Einschlafen möglich. Nach langem Hin- und Hergewälze stehe ich auf, trinke Apfelsaft und schreibe das hier.