WmDedgT 3/2017

Wie jeden 5. eines Monats möchte Frau Brüllen wissen, was wir so den Tag über gemacht haben.

Die Nacht war kurz. Bin erst nach vier Uhr un den Schlaf gekommen und um neun ging schon der Wecker. Ich hätte weiter schlafen können, doch ich wollte keine Migräne riskieren. Entsprechend trantütig saß ich dann beim Frühstück. Herr croco sprach ganz ausführlich mit mir über irgend etwas, an das ich mich nicht mehr erinnere. Ich glaube, ich habe mehrfach genickt. Danach schob ich mich in den Keller um zu bügeln und um die Waschmaschine zu leeren und den Trockner zu füllen. Da das WLan im Keller wackelig ist, gucke ich Podcasts, FrauTV und Kathrin Bauerfeind. Dieses Mal war sie im Zirkus Roncalli, durfte ein Pony in die Manege schubsen und Herrn Paul interviewen. Da war ich wieder froh, dass mein Vater uns gezwungen hatte,Filme mit Hans Moser zu gucken. Ich verstehe fast jeden nuschelnden Österreicher ausgezeichnet. In der aufgezeichneten FrauTV-Sendung ging es unter anderem um stomatragende Frauen. Ich hatte so Beutel noch nie gesehen und mir dem Umgang komplizierter vorgestellt. Ausgebügelt habe ich mich in die Küche begeben und dort aufgeräumt und dann das Mittagessen vorbereitet. Herr croco erledigte derweilen am Wohnzimmertisch Geschäftliches. Es gab Gemüse im Wok mit Nudeln und danach noch Jogurt. Bißchen Fastenzeit eben. Anschließend las ich das Internet aus und spielteein bißchen candy crush. Der Spaziergang fiel wegen sauigeligem Wetter aus. So gab es noch ne Runde Podcast mit Bügeln. Anschließend folgte ein langes Telefonat mit Schwester und Mutter. Die lange Nacht und die Informationsdichte des Telefonats forderten ihren Tribut: ich schlief ein. Wieder aufgewacht, folgte ein Abendbrot aus Apfel und Brot, Herr croco isst noch Wurst und Käse. Eine Telfonat mit der Schwägerin und es war Zeit für „Nacht über Berlin“, gestern aufgezeichnet. Berührende Geschichte zur Zeit der Machtübernahme Hitlers, tolle Schauspieler, unter anderem Familie Liefers-Loos und Max Raabe! Den Unterricht für morgen habe ich schon vorbereitet, so kann ich jetzt noch den Tagesbericht schreiben.

 

WmDedgT 1/2017

Frau Brüllen will es wissen. Und zwar, was wir am 5. eines jeden Monats so machen. Hier ist mein Tag.

Aufstehen muss ich erst um acht. Ein Luxus, zu Schulzeiten ist es meist halb sieben. Das ist für meinen Körper und meinen Verstand fast wie Mitternacht.
Draußen liegt ein bißchen pudriger Schnee und die Sonne scheint, ein perfekter Ferientag. Geschippt werden muss nicht, also wird es ein entspanntes Frühstück.
Der Mann nimmt mein schōnes Auto, ich den Packesel, damit ich den Wäschekorb zur Mangel in die Stadt transportieren kann. Ich hol noch schnell Geld aus dem Automaten und frage beim Goldschmied nach, ob ich die geschenkten Ohrstecker zu Clips umarbeiten lassen kann. Ich habe ja keine Löcher, aus Gründen. Nun, es geh nicht, schade. So gebe ich sie mit Bedauern zurück.
Die Freundin, nach dem letzten Beitrag müsste ich sie fragen, ob sie es wirklich ist, also, sie wohnt in einem anderen Dorf und ich hole sie ab. Ich nehmen einen Riesenumweg durch ein verzauberte verzuckerte Tälchen, aus Schönheitsgründen. Wir wollen uns einfach unsere letzten Wochen erzählen. Und gleichzeitig ein neues Café begutachten. Unser großer Plan ist nämlich, dass wir eines Tages alles hinschmeißen und ein Bistro aufmachen. Und so gucken wir jeden neuen Laden an und diskutiere, was wie sein soll, und was nicht. Nun, hier sind die Lampen super, aber weder Gestühl noch Aufteilung gefallen uns. Übrigens ist die Karte auch ein büschn laaangweilig, aber günstig. Ich persönlich glaube, dass wir das nie machen werden, weil wir nur Spaß am Planen haben, wir die eigentliche Arbeit aber sofort delegieren würden. Und uns immer kleine Bands oder Dichterlesungen zur Unterhaltung gönnen würden.
Nach ausführlichem Update über die gesamten letzten Wochen, bringe ich sie wieder heim und eise den Mann für zwei Toast Hawaii aus der Arbeit raus. Danach ruhe ich zuhause etwas aus, lese, der Mann kommt und hat Zeit für einen Spaziergang bei Eiseswind ums Dorf. Keiner ist draußen, nur wir. Ein Fenster öffnet sich für einen Neujahrsgruß. Ich ziehe mir die Kapuze meiner neuen irischen Strickjacke über die Ohren, viel hilft es nicht. Zuhause gibt es Tee, der Mann geht wieder arbeiten. Ich mache mich an Nähzeugs, was seit zwei Jahren rum liegt. Hosennähte, Abtrockentücher umsäumen, so Flickzeugs halt. Nebenher ziehe ich mir die Podcasts der Landesschau Baden Württemberg über das ipad rein. Da wird mir immer so wohlig dabei. Die Nähmaschine tut es erstaunlicherweise noch, für den Fadenverlauf in der Spule muss ich aber im Prospekt nachschauen.
Um acht kommt der Mann von der Arbeit und hat Hunger. Wir essen, also wir verspern, und gucken dann Nachrichten. Anschließend sind zwei aufgezeichnete Folgen von Scott & Bailey dran. Ich nerve etwas, weil ich nebenher twittere und ein bißchen Candy cush spiele. Kurz nach elf ist Bettzeit, doch leider ist für mich kein Einschlafen möglich. Nach langem Hin- und Hergewälze stehe ich auf, trinke Apfelsaft und schreibe das hier.

WmDedgT 9/2016

Frau Brüllen will es wissen: was machst Du eigentlich so den ganzen Tag?

Habe mich mit Schulterschmerzen aus dem Bett gewälzt, um dann im Badezimmer die passenden Schulterübungen zu machen. Was ja eigentlich Rückenübungen sind, aber nun tut eben die Schulter weh. Zwei Löffel Müsli und eine Tasse Kaffee können den fehlenden Schlaf nicht ausgleichen. Ich nehme keine Schmerztabletten, wird schon gehen.
Die Fahrt in die Schule ist ereignislos wie immer. Im Vorbereitungsraum der Chemie bin ich zuerst alleine und kann in Ruhe alles was ich für meine Stunden brauche, aus dem Schränken in meine Kiste räumen. Glasgeräte, Chemikalien, Stativmaterial. Wir müssen Ordnung halten, wir sind 14 Kollegen. Da kann man nicht mal einen Aufbau ein paar Tage stehen lassen. Alles wird wieder zerlegt, gespült, weggeräumt. Es ist wie in einer WG. Bleibt Zeugs liegen, ärgern sich alle und suchen das Ferkel. Jedenfalls habe ich zur Zeit keine Chemielehrerhände, keine Jodflecken, keine kleinen Schnittwunden, keine Brandblasen, dafür Nagellack.
Gas ist da, juhu, dafür ist der Beamer kaputt, Mist! Eigentlich wollte ich das richtige Ergebnis an die Wand werfen, damit die Kundschaft vergleichen kann mit ihren Ergebnissen. Ende der Stunde kommt ein Schüler drauf: es gibt doch noch den Tageslichtprojektor. Genau, und ich finde noch eine Gammelfolie, auf der die Ergebnisse auch zu finden sind. Stunde ist gelaufen, super.
Nun noch Cheftermin, der sich aber verschiebt. So gibt es Kakao im Lehrerzimmer und ein paar Frechheiten vom Jungkollegen. Dann Cheffe und weitere Planungen der nächsten Monate.
Danach laufe ich noch in die Brennnesseln am Lehrerparklplatz und weiß nun endgültig, dass das nicht mein Tag ist. Zuhause gibt es noch ein halbes Römertopfhuhn, das im Ofen noch ne Runde übergebraten bekommt. Dazu Reis und zum Nachtisch Apfelmus von den Frühäpfeln.
Geplant war eine erneute Apfelsammelaktion und dann Bügeln. Beide Projekte versanken im Tiefschlaf, in meinem eigenen. Dann gab es eine Dorfrunde, leider wieder ohne Pokémons. Ich gebe es auf. Den Abend verbrachte ich mit Lesen, Spiegel und Internet, dann mit Nachrichten von der Festplatte. Das war es.