WmDedgT 3/18

Um halb sieben stehe ich auf, etwas zu spät. Für die morgendlichen Übungen für Arm, Rücken und Schulter ist es zu spät. Auch für das Raussuchen origineller Kleidung für den Montag Morgen ist es zu spät. Also bleibt nur das, was schon liegt, gestreiftes. Wenn Sie mich in Gestreift sehen, denken Sie zurecht, heute ist ein Tag, an dem ihr nichts eingefallen ist.
Wenigstens ist es jetzt schon hell beim Frühstücken. Herr croco kommt nun auch angeschlichen, er muss auch gleich weg. Tasche ins Auto und ab in die Schule, die Kundschaft wartet schon. In den Pausen keine Erholung sondern nur das übliche Rumgerenne wegen Listen, Filmen, Terminen, fehlenden Entschuldigungen. Die Kollegen sind unter Druck wegen der Prüfungsaufgaben für das Mündliche Abitur. Ich bin nicht dran, welche Erleichterung nach Jahrzehnten jährlichen Jochs. Weiteres Rumgerenne zwischen den Gebäuden, zwischen den Räumen. Die Technik ist da und funktioniert, wie wunderbar.
Zuhause gibt es Restsuppe vom Sonntag, mit Griesknödeln und kleinen Maultaschen. Nicht selbst gemacht, bin gerade wieder auf bofrost gestoßen, nach langjähriger Abstinenz. Die setzen jetzt wieder Fahrer mit braunen Kulleraugen ein, da bin ich machtlos.
Danach kommt der Eieruhrschlaf. Halbe Stunde mit schrillem Wecken, funktioniert gerade prima. Dann folgen Schreibtisch, Korrekturen und Wäsche. Im Fitnessstudio sind die Hochmotivierten von Neujahr schon wieder weg, man kommt an die Geräte und es sind wieder die entspannten Abarbeiter da. Die schauen allerdings sehr mitleidig auf meine kleinen Gewichte. Die Schultern erlauben nicht mehr, aber immerhin geht ein bißchen was. Vor Wochen sah es noch nach Gesamtkatastrophe aus. Heim, duschen, zu Abend essen und erholen, mehr geht nicht mehr. Und dann sehe ich eine nette Dokumentation über Gigolos auf Kreuzfahrtschiffen. Ein charmantes Lebensmodell ist es schon, gegen Kost und Logis mit Damen zu tanzen. Manchmal bedaure ich es, kein Mann geworden zu sein. Mir würde das gefallen, ein bißchen schäkern, ein bißchen tanzen, ein bißchen rumreisen. Jedenfalls war der Kameramann genial darin Stimmungen und Bewegungen einzufangen. Und einer der Eintänzer bleibt danach bei einer Frau, ich sag nicht welcher. Nur dass der Kameramann das schon vorher wusste.
Etwas spät geht es ins Bett, aber nun.
Nachtrag: der Trailer von „Die letzten Gigolos“

Wenn Sie wissen möchten, wie andere Menschen den Tag verbringen, schauen Sie doch bei Frau Brüllen nach. Es wird Ihnen gefallen.

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WmDedgT 1/2018

Frau Brüllen will es wieder wissen: was machen wir eigentlich so den ganzen Tag.
Ich sag es gleich: es war nicht viel los an diesem Tag. Was auch daran liegt, dass ich erst um halb fünf in der Früh eingeschlafen bin. Wegen Schmerzen und so weiter. Habe nämlich eine neue Baustelle, man glaubt es kaum, dass es bei mir noch Körperteile gibt, die noch nicht im Reigen waren, aber nun. Es hat mir keiner versprochen, dass das Leben leicht sein wird. Jedenfalls fühlt sich die 9Uhr-Aufstehzeit an wie mitten in der Nacht. Herr croco stresst, da er schon längst hãtte weg sein müssen. Im Gästezimmer rührt sich auch nichts. Die Mama ist wegen Müdigkeit wieder ins Bett gegangen. Irgendwann sitzen alle um den Frühstückstisch und es geht los. Der Kaffeeautomat weiß das noch nicht und produziert bräunliche Plörre. Was habe ich mich über das Mistding schon geärgert. Er hat zwar ein Saecoherz, aber die Technik drumrum ist von einer anderen Firma. Sobald die Maschine mahlt, wackelt sie so, dass sich die Bohnen verklemmen und den Schacht zum Mahlwerk versperren. Meist. Manchmal ist es aber auch was anderes. Jedenfalls hole ich zuerst die Brühgruppe raus, spüle sie, schaue, ob was klemmt. Dann pople ich die Bohnen aus dem Trichter und rüttle gleichzeitig. Eigentlich geht das nur mit Kinderfingern. Ich schimpfe also. Beschimpfen ist übrigens eine Methode, die sowohl bei technischen Geräten als auch Zimmerpflanzen hervorragend funktioniert. Sie benehmen sich sofort, so auch hier. Das Frühstück ist rum und ich beschließe, das Haus heute wegen Müdigkeit und schlechtem Wetter nicht mehr zu verlassen. Die Mama ist eh schon aufgeregt, weil es wieder heim geht. Die Vorräte sind schon gekauft, so dass sie zuhause einen guten Start hat. Ich beschließe meditatives Bügeln, sonst eine einsame Tätigkeit, und mir das durch Mamas Geschichten vergnüglich zu gestalten. So sitzt sie also auf dem roten Bürostuhl neben mir im Keller, mit Goldkette und glänzenden Ohrclips ausgestattet, und berichtet mir über die weitverzweigte Verwandtschaft und ihren Bekanntenkreis. Sie mag es nicht, nichts zu tun zu haben. So legt sie nebenher Wäsche zusammen. Das ist die Bügelphase eins. Das Mittagessen besteht aus Aufgewärmtem und einem Orangen-Fenchel-Salat, den sie vorsichtig probiert und dann mag. Der Nachtisch für sie besteht aus einem Magnumeis. Meine Mutter hat zwei Mägen, glaube ich. Einen für normales Essen und einen anderen für Eisbecher und Magnums. Sie ist satt, aber dann geht plötzlich noch ein ganzer Erdbeerbecher oder ein Magnum rein, unglaublich! Sie ist so klein und dünn geworden, dass sie etwas zulegen muss.
Wir landen zur Bügelrunde zwei wieder im Keller. Anschließend packt sie ihre Koffer und die Kleider in Kleidersäcke. Der Auszug aus Ägypten! Wir verschwinden nochmals im Keller Richtung Bügeleisen. Dann gibt es Abendbrot und wir planen ihren runden Geburtstag im Frühjahr. Es wird zwei getrennte Veranstaltungen geben, einmal die Bekannten, zum anderen die Verwandtschaft. Namenslisten werden angelegt, mit Fürs und Widers, alles in historischen Zusammenhängen. „Alle oder keiner“ von Herrn croco aus der Wohnzimmerecke gerufen, kürzt die Diskussion ab. Dann gibt es etwas Fernsehen, Großvater sucht halb Griechenland nach dem Vater der Enkelin ab, bis er im Kloster landet und einen Mönch als solchen identifiziert. Der Drehbuchschreiber muss was merkwürdiges geraucht haben. Die Mama ist längst schon weggeschlafen. Als ich auf Janis Joplin umschalte, wacht sie auf. Herr croco bringt Nougat, Saft und Schokolade und schaut mit der Mama witzige Clips an. Ich zieh mich zurück und spiele noch ein bißchen. Dann Bett.

WmDedgT 12/17

Sie wissen schon was kommt. Wie jeden 5. eines Monats will Frau Brüllen wissen, was wir so tun den lieben langen Tag.
Es ist der freie Tag und ich kann etwas länger schlafen. Was nach den Schmerzen der Nacht eine Wohltat ist. Nach dem Frühstück geht Herr croco arbeiten und ich in den Keller, die Färbeversuche des gestrigen Abends zu begutachten. Eigentlich stehe ich auf Entfärben. Haben weiße Kleidungsstücke Flecken, versuche ich es zuerst mit Wattestäbchen und Chlorix. Bei einer Bluse hatte das wunderbar geklappt. Ich hatte sie gleich ausgewaschen und aufgehängt. Ein anderes weißes Hemd wurde im Chlorixbad leider gelb, vermutlich war der Kunststoffanteil zu hoch. Mit zwei leicht ausgebleichten Leinenkleidern war es über Nacht in der Waschmaschine Richtung schwarz befördert worden. Eigentlich hätte ich auch eine andere Farbe nehmen können, ich habe immer einige vorrätig. Das Salz steht gleich daneben. Nun, die Leinenkleider sind rabenschwarz, das Hemd ist smaragdgrün geworden, ein sehr schönes Grün übrigens. Ich lege noch zusammen, sortiere für die Mangel aus. Dann habe ich noch etwas Zeit für die Tageszeitung. Anschließend schneide ich Kohlrabi, Süßkartoffeln und Möhren in Stücke, übergieße es mit Gemüsebrühe und Olivenöl und stelle es in den Backofen. Den gefrorenen Wildlachs lege ich in Zitronensaft ein. Auf einem Zettel bitte ich Herrn croco, doch den Fisch auf das Gemüse zu legen. Anschließend fahre ich in die Stadt zur Physiotherapie. Mein armer Körper wird wieder vorsichtig gerade gerückt. Wieder zurück, ist Herr croco schon da, der Fisch aber noch nicht an seinem Platz. Nun dauert es ein bißchen und dann essen und erzählen wir. Telefonate wegen Computerzeugs schieben Herrn croco an den Rechner. Ein bißchen Ruhe habe ich nun für Mails und Internet. Dann bereite ich mich vor für den Sprachunterricht. Wörter lernen, laut lesen, sowas halt. Wir trinken noch Tee, dann geht es wieder in die Stadt. Die anderen haben tolle Sachen mitgebracht und so kauen und reden wir. Wieder daheim, gibt es Abendbrot und dann geht es an den Schreibtisch, morgen ist ja wieder Unterricht. Ich kopiere Arbeitsblätter, lege einen Film bereit, berechne Referatsnoten. Für eine neue Klasse muss ich noch Namen lernen. Liebe Eltern, nennt Eure Kinder doch nicht wie die Leute in den Seifenopern! Noch ein Telefonat dazwischen mit meiner Mutter und es ist 11 und ich hundemüde.
Den Bericht schreibe ich um halb vier in der Früh. Sie wissen schon, Schlafstörungen und Schmerzen.